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Nachrichten

7.7.2009

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KURZNEWS 7. Juli 2009

Sorgen um Schlachtvieh- und Milchpreise / 250 Kühe notgeschlachtet / Vegetarier erkranken weniger an Krebs − Regel mit Ausnahmen / Medizinischer Honig / Institut für öffentliche Tiergesundheit gegründet / Fleischbranche will schmerzfreie Kastration



Zu viele Milchkühe in den Schweizer Ställen

In Schweizer Ställen stehen derzeit 25'000 Milchkühe aus der Milchproduktion ausgeschieden. Zur Regulierung des Milchmarktes sollen deshalb künftig weniger Kühe aufgezogen werden, meint Peter Gfeller, Präsident der Schweizer Milchproduzenten (SMP).

Wenn alle überflüssigen Milchkühe geschlachtet würden, sänke auch der Schlachtviehpreis. Dies hätte zur Folge, dass die Halter weniger für das Fleisch bekämen, sagte Gfeller laut der Nachrichtenagentur SDA gegenüber der "Samstagsrundschau" von Schweizer Radio DRS. Es laufe damit auf dasselbe hinaus wie bei einem tiefen Milchpreis.

Seit April 2008 seien bereits rund 3'000 Milchkühe aus der Milchproduktion ausgeschieden. Die Aufstockung des Bestandes in den Jahren 2006 und 2007 sei unter dem Eindruck günstiger Marktperspektiven entstanden. Es sei klar, dass jeder einzelne der 27'000 Produzenten so viel Milch wie möglich liefern wolle. Kaum einer sei bereit, seinen Bestand freiwillig herunterzufahren.

Laut Gfeller ist die Perspektive für die Schweizer Milchbauern "kritisch". Es sei nicht sicher, ob alle Landwirte ihre Milchbetriebe halten könnten. Der eine oder andere der Milchproduzenten werde diesen Herbst in einen Liquiditätsengpass rutschen, meint Gfeller mit Blick auf den nach wie vor unrentablen Milchpreis.
(Quelle: LID / 6.7.2009)



Jura: Mehr als 250 Kühe notgeschlachtet

Auf zwei Bauernhöfen in Delsberg JU ist die Rinderseuche IBR ausgebrochen. Die Tiere müssen notgeschlachtet werden. Auf dem ersten Hof haben sich bereits 226 Tiere angesteckt, alle 248 Rinder werden geschlachtet. Auf dem zweiten Betrieb werden nur die elf betroffenen Tiere getötet, zitiert die Nachrichtenagentur SDA eine Meldung des Bundesamtes für Veterinärwesen (BVET).

Der Kantonstierarzt im Kanton Jura schliesst nicht aus, dass in den kommenden Tagen weitere IBR-Fälle entdeckt werden. Zurzeit werden alle Höfe, welche mit den von der Seuche betroffenen Betrieben in Kontakt waren, untersucht, wie der Kanton Jura laut SDA mitteilte.

Die Rinderseuche IBR (Infektiöse Bovine Rhinotracheitis), auch Buchstabenseuche genannt, ist für den Menschen ungefährlich. Das IBR-Virus, ein Herpes-Virus, befällt die Atemwege und kann Fehlgeburten auslösen. Symptome sind hohes Fieber und Ausflüsse aus Nasen und Augen. Das Virus kann sich im direkten Kontakt, aber auch über die Luft verbreiten. Nach einer Infektion sind die Tiere lebenslang Träger davon.
(Quelle: LID / 6.7.2009)



Walliser Aprikosenerste startet

Im Wallis beginnt die Aprikosenernte. Die orangene Delikatesse ist vielseitiger, als man denkt. Seit 1838 werden im Wallis Aprikosen angebaut. Der Botaniker und Pfarrer Gabriel Luizet war der erste, der die delikate orange Frucht im Wallis pflanzte und erntete. Angeblich hatte er die Sorte, die später nach ihm benannt wurde, in Lyon abgezweigt. Die von ihm gezüchtete Aprikosensorte Luizet dominierte mehr als 150 Jahre lang den Walliser Aprikosenanbau.

Auch im Waadtland und am Bodensee werden Aprikosen angebaut, 95 Prozent der Schweizer Aprikosen wachsen aber nach wie vor im Wallis. Dort setzen die Produzenten neben der Luizet immer mehr auch auf andere Sorten, die früher oder später reifen, um die Aprikosensaison nach vorne und hinten verlängern zu können.

Zu den früh reifenden Sorten gehören Orange Red und Vick Royal, zu den spät reifenden Bergarouge, Bergeron oder Tardif da Tain. Die Luizet erhält aber auch zur Hauptsaison Konkurrenz von der Sorte Goldrich. Die Produzenten erwarten für die diesjährige Ernte eine grosse und qualitativ gute Menge von 4'700 Tonnen, deutlich mehr als in den letzten zwei Jahren.

Ursprünglich stammt die Aprikose aus Nordafrika, sie breitete sich im Orient aus und wurde von den Römern aus Turkmenien nach Europa gebracht. Weil lange Zeit fälschlicherweise Armenien als Herkunftsland der Aprikose galt, heisst sie auf lateinisch auch Prunus armeniaca, armenische Pflaume.
(Quelle: LID / 3.7.09)



Einigung auf Richtpreise für Bio-Brotweizen

Beim Bio-Brotgetreide haben sich Produzenten und Müller auf Richtpreise geeinigt. Für Knospe-Weizen der Klassen Top und I wurde ein Richtpreis von 104 Franken pro 100 Kilogramm ausgehandelt, für Roggen 93 Franken und für Dinkel 110 Franken. Im letzten Jahre erhielten die Biogetreidebauern für die Klassen und Top und I einen Durchschnittspreis von 112 Franken.

Beide Seiten hätten in einem zweiten Anlauf Zugeständnisse gemacht, schreibt Bio Suisse in einer Medienmitteilung. Der erneute Zollabbau beim Getreide per 1. Juli und die Entwicklungen auf dem konventionellen Getreidemarkt der vergangenen Wochen hätten zu der Preissenkung geführt. Die Einigung gebe den Knospe-Bauern wie auch den Müllern Sicherheit auf den derzeit unberechenbaren Märkten.
(Quelle: LID / 03.07.2009)



Fleischlose Ernährung schützt nicht vor Darmkrebs

Vegetarier erkranken im Allgemeinen weniger wahrscheinlich an Krebs als Menschen die Fleisch essen. Das gilt jedoch nicht für alle Krebsarten. Zu diesem Ergebnis ist eine gross angelegte Studie unter der Leitung von Tim Key von der University of Oxford http://www.ox.ac.uk gekommen.

Die Auswertung der Daten von mehr als 60.000 Menschen hat ergeben, dass jene, die sich vegetarisch ernährten, seltener an Blut-, Blasen- und Magenkrebs erkrankten. Die schützende Wirkung der Ernährung erstreckte sich jedoch offensichtlich nicht auf Darmkrebs, eine der häufigsten Todesursachen. Details der Studie wurden im British Journal of Cancer veröffentlicht.

Britische und neuseeländische Wissenschaftler begleiteten 61.566 britische Männer und Frauen. Dazu gehörten Menschen, die Fisch, aber kein Fleisch assen und Teilnehmer, die keines von beiden zu sich nahmen. In der allgemeinen Bevölkerung erkranken laut BBC rund 33 von 100 Menschen an Krebs. Bei jenen, die kein Fleisch essen, sinkt dieses Risiko auf 29 von 100.

Laut den Wissenschaftlern gibt es deutliche Unterschiede zwischen Fleischessern und Vegetariern vor allem bei der Neigung zu Lymph- und Blutkrebs. Bei Vegetariern besteht die Neigung nur bei etwas mehr als der Hälfte. Bei multiplen Myelomen, einer relativ seltenen Erkrankung des Knochenmarks, erkrankten Vegetarier um 75 Prozent weniger wahrscheinlich.

Die Verringerung des Risikos war bei Menschen, die Fisch assen, weniger deutlich ausgeprägt. Die genauen Gründe dafür sind laut den Wissenschaftlern nicht klar. Mögliche Erklärungen berufen sich auf Viren und Mutationen verursachende Bestandteile des Fleisches. Denkbar ist auch, dass Gemüse einen speziellen Schutz bietet. Gerade beim Magenkrebs gab es erstaunliche Unterschiede.

Obwohl die Anzahl der Erkrankungen nur gering war, erkrankten jene beiden Gruppen die kein Fleisch assen, um ein Drittel weniger wahrscheinlich. Bei Darmkrebs zeigte sich jedoch ein völlig anderes Bild. Das relative Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, war wiederum bei jenen, die sich fleischfrei ernährten, doppelt so hoch.

Die Menge der Daten war gering und könnte auf den Zufall zurückzuführen sein. Das Team hält es jedoch für denkbar, dass die Ernährung einen Einfluss auf das Virus hat, das bei dieser Krankheit von entscheidender Bedeutung ist. Key betonte, es sei unmöglich, aus einer einzelnen Studie absolute Schlussfolgerungen zu ziehen.
(Quelle: pte / 01.07.2009)



Medizinischer Honig anstelle von antibiotischen Crèmes

In einer bisher einzigartigen Studie haben Forscher der University of Sydney Beweise dafür gefunden, dass manche Honigsorten bei der Behandlung von oberflächlichen Wunden und Infektionen effektiver wirken als Antibiotika.

Antibiotika wirken in der Regel nur gegen bestimmte Bakterien. Die meisten Bakterien, die Infektionen in Krankenhäusern verursachen, sind noch dazu gegen mindestens ein Antibiotikum resistent. Die in der Studie eingesetzten Honigsorten wirkten jedoch gegen alle gestesteten Erreger, darunter auch multiresistente Bakterien.

Was besonders entscheidend ist, die Bakterien passten sich nicht an und entwickelten keine Resistenz gegenüber dem Honig, wie dies bei Antibiotika der Fall ist.

Die von den Wissenschaftlern verwendeten Honigsorten waren Manuka und Jelly Bush aus Neuseeland bzw. Australien. Beide sind zwar als medizinische Varianten erhältlich, werden jedoch in Krankenhäusern kaum eingesetzt. Mit der vorliegenden Studie konnte erstmals gezeigt werden, dass der medizinische Honig in vielen Fällen antibiotische Cremes auf Wunden oder an Kathetern ersetzen könnte.

In Anbetracht einer immer kürzeren Lebensdauer vieler Antibiotika sind alternative Behandlungswege gegen Infektionen unerlässlich.

Den getesteten Honigsorten ist gemein, dass sie von Bienen produziert werden, die sich von Pflanzen der Gattung Leptospermum - allgemein auch als Teebaum bekannt - ernähren. Bisher wissen die Forscher nicht genau, wie der Honig Infektionen vermeidet und abtötet.

Sie vermuten, dass ein Bestandteil namens Methylglyoxal eine Wechselwirkung mit anderen, bisher unbekannten, Bestandteilen des Honigs eingeht und so infektionsauslösende Bakterien daran hindert, neue Stämme zu bilden, die gegen den Honig resistent sind.
(Quelle: idw (Institut Ranke-Heinemann, Berlin) / 30.6.09)



Institut für öffentliche Tiergesundheit gegründet

Die Vetsuisse-Fakultät Bern und das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) gründen auf den 1. Juli 2009 ein neues Institut für „Veterinary Public Health“ (VPH). Diese europaweit einmalige Kooperation von universitärer Forschung und öffentlichem Veterinärdienst soll wesentlich zu gesunden Tieren, sicheren Lebensmitteln und damit zur öffentlichen Gesundheit in der Schweiz beitragen.
(Quelle: Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) / 30.6.2009)



Herkunftsschutz nicht nur für Wein und Spirituosen

Produkte mit geschützter Herkunftsangabe (Geografische Indikation GI) sollen in der Welthandelsorganisation WTO einen besseren Schutz erhalten. Dies verlangte die internationale Vereinigung Origin an der Generalversammlung in Teruel (Spanien) Ende Juni 2009.

Der Schutz für die GI-Produkte, der momentan nur für Weine und Spirituosen besteht, soll für alle anderen landwirtschaftlichen Güter gelten. Immer mehr Bauern würden sich auf die Herstellung von GI-Produkten stützen, schreibt die Schweizerische Vereinigung zur Förderung der AOC-IGP in ihrem Bericht vom 30. Juni.

Origin ist ein Netzwerk von Bauern und Verarbeitern, die ihre Produkte nach traditioneller Art in der Ursprungsregion produzieren. Die Organisation engagiert sich für den internationalen Schutz von regionalen, traditionellen Spezialitäten vor Kopien und Namensmissbrauch. Dadurch sollen auch lokale Kleinbauern qualitativ hochwertigen Originalprodukten ertragreich produzieren können.

Die Schweizerische Vereinigung der AOC und IGP ist seit 2003 Mitglied von Origin. Das AOC-IGP Zeichen garantiert in der Schweiz den Schutz von GI.
(Quelle: LID / 30.6.2009)



Schmerzfreie Kastration bei Ferkeln: Rasche Umsetzung

In der Schweiz ist die Kastration von Ferkeln ohne Schmerzausschaltung ab dem 1. Januar 2010 verboten. Nach intensiven Forschungsarbeiten im Projekt ProSchwein läuft zurzeit die Einführungs- und Umsetzungsphase. Am 6. Juli startet der „Kastrationsfonds“ für eine befristete Anschubfinanzierung.

Von den drei zur Verfügung stehenden Alternativen (Inhalationsnarkose, Impfung und Ebermast) wird die praktikabelste und vom Markt am besten akzeptierte Methode, die Kastration unter Inhalationsnarkose, umgesetzt. Im Label Coop Naturafarm ist auch die Impfung gegen Ebergeruch akzeptiert.

Bei der Inhalationsnarkose wird den Ferkeln innerhalb der ersten 14 Lebenstage zuerst ein Mittel gegen den postoperativen Schmerz verabreicht. Anschliessend werden sie während 90 Sekunden mit einem Gas narkotisiert und dann kastriert. Die Methode entspricht damit jener, die auch bei Hunden und Katzen angewendet wird.

Die Züchter müssen für die Inhalationsnarkose einen theoretischen und einen praktischen Kurs, unter Aufsicht des Bestandestierarztes, absolvieren. Bereits 2000 Schweinezüchter haben den theoretischen Kurs besucht. Wenn ein Züchter nicht mit der Inhalationsnarkose arbeiten möchte, kann er seinen Ferkeln ein Narkosemittel vom Tierarzt verabreichen lassen und anschliessend die Kastration durchführen.

Die Pflicht zur Schmerzausschaltung ist für die Schweinezüchter mit einem erheblichen finanziellen und zeitlichen Aufwand verbunden. Verwerter, Handel und Produzenten haben sich deshalb auf eine befristete Anschubfinanzierung bei der Beschaffung der Geräte für die Inhalationsnarkose geeinigt. Ab dem 6. Juli werden während 15 Monaten pro Schlachtschwein Fr. 5.- in den sogenannten „Kastrationsfonds“ einbezahlt.

Verwerter und Mäster zahlen dabei je Fr. 2.- und der Handel Fr. 1.-. Die Züchter werden entsprechend ihrer Betriebsgrösse aus diesem Fonds entschädigt. Die Verwaltung und Abwicklung des Fonds obliegt der Branchenorganisation Fleisch, der Proviande in Bern. Detailinformationen zum Kastrationsfonds sowie zum Anmeldeprozedere für Züchter

(Quellen: Schweiz. Fleischfachverband / Suisseporcs / Schw. Schweinehandels-Vereinigung 29.6.2009)



Alternativen beim Einsatz transgener Tiere

Experten evaluierten den aktuellen Status des Einsatzes gentechnisch veränderter Tiere in der Forschung und diskutierten Alternativmethoden Seit Jahren steigt die Anzahl der Versuchstiere, die für wissenschaftliche Zwecke verwendet werden. Dieser Anstieg wird auch auf den vermehrten Einsatz transgener Tiere zurückgeführt.

Transgene Tiere sind genetisch veränderte Organismen, bei denen Gene ausgeschaltet oder herunter reguliert wurden oder denen artfremdes genetisches Material in das eigene Erbgut eingebaut wurde. Ende Mai traf sich eine internationale Expertenrunde im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), um Alternativen zum Einsatz transgener Tiere in der Wissenschaft zu diskutieren und Forschungsschwerpunkte zu empfehlen.

"Gentechnisch veränderte Tiere haben völlig neue Felder in der Erforschung von Krankheiten und Wirkmechanismen eröffnet", sagte BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. "Aber auch hier sollten Tierversuche nur dann angewandt werden, wenn alle tierversuchsfreien Methoden im Vorfeld ausgeschöpft wurden oder eine spezifische Fragestellung allein dadurch beantwortet werden kann."

Im Jahr 2007 sind in Deutschland etwa 2,7 Millionen Wirbeltiere für Tierversuche und andere wissenschaftliche Zwecke eingesetzt worden. Seit 1998 ist ein Anstieg des Tierverbrauchs zu Forschungszwecken zu verzeichnen, der zu einem grossen Teil im vermehrten Einsatz von transgenen Tieren begründet ist.

Als Krankheitsmodelle sind sie beispielsweise geeignet, menschliche Erkrankungen wie Diabetes, Krebs oder Alzheimer zu imitieren. Durch derartige Modellorganismen werden die Erforschung der Krankheiten und die Entwicklung von Therapien erleichtert und verbessert, in manchen Fällen sogar überhaupt erst ermöglicht.

Ende Mai 2009 diskutierten Experten aus sieben europäischen Ländern und aus Australien im Rahmen eines internationalen Workshops im BfR über den Einsatz transgener Tiere in der Forschung. Im Zentrum der Diskussionen standen Möglichkeiten und Strategien, um die steigende Anzahl der Versuchstiere zu reduzieren. Leitlinie der Diskussion war das sogenannte 3R-Prinzip, demzufolge Tierversuche möglichst ersetzt (Replace), verringert (Reduce) oder das Leiden der Tiere im Experiment vermindert (Refine) werden sollen.

Die Experten befassten sich mit Methoden, die Versuche mit transgenen Wirbeltieren möglicherweise zukünftig ersetzen können. Dazu zählt beispielsweise der Einsatz alternativer Modellorganismen wie der Fruchtfliege Drosophila melanogaster oder des Fadenwurms Caenorhabditis elegans. Aber auch bestimmte Zellkulturexperimente oder dreidimensionale Gewebekulturen zeigen Möglichkeiten, durch die Versuche mit transgenen Tieren ersetzt oder zumindest die Anzahl der benötigten Versuchstiere verringern werden können.

So wurde auf dem Workshop zum Beispiel eine Technik vorgestellt, die es erlaubt, menschliche Antikörper ohne den Einsatz gentechnisch veränderter Tiere herzustellen. Bisher werden hierfür vielfach noch immer gentechnisch veränderte Mäuse verwendet.

Aber auch Massnahmen wie verbesserte Zucht- und Reproduktionsmethoden oder eine verbesserte Ausbildung der Experimentatoren und Tierpfleger kann die Zahl der Versuchstiere verringern. Gut ausgebildetes Personal trägt dazu bei, Schmerz, Leid und Unbehagen der Tiere zu minimieren und verbessert zugleich die Qualität der gewonnenen Daten aus Tierversuchen. In der Folge wird die notwendige Anzahl der Tiere je Untersuchungsgruppe verringert, und weniger Wiederholungen der Versuche sind notwendig.

Durch die verbesserte Dokumentation bereits durchgeführter Versuche mit transgenen Tieren und die kostenlose Bereitstellung der Daten und Ergebnisse zu Forschungszwecken in einer zentralen Datenbank könnte nach Ansicht der Fachleute die Zahl der Versuchstiere reduziert werden. Eine weitere Möglichkeit der Reduktion ist das Bereitstellen von Informationen über vorhandene in vitro-Modelle mit den jeweiligen Anwendungsmöglichkeiten.

Das grösste Potenzial, um die Versuchstierzahlen in naher Zukunft zu senken, sahen die Experten nicht im vollständigen Ersatz der transgenen Tiermodelle, sondern in den Möglichkeiten, einzelne Fragestellungen verstärkt in in-vitro-Modellen, also in Zell- und Gewebekulturen, zu untersuchen.

Der Einsatz dieser Modelle würde auch bei bisher nicht ersetzbaren Tierversuchen die Anzahl der Versuchstiere verringern und deren Leiden vermindern (Reduction und Refinement). Beides heisst: Die Zahl der benötigten Tiere sinkt auch dort, wo auf Tierversuche aus wissenschaftlichen Gründen nicht verzichtet werden kann.

Der Bericht zum Workshop "Alternativen beim Einsatz transgener Tiere" wird voraussichtlich im Herbst 2009 als kostenloses pdf-Dokument auf der BfR-Homepage zur Verfügung gestellt.
(Quelle: BfR (D) / 29.06.2009) (fma)


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