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26.11.2012

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Neue Herausforderungen der Zoonosenbekämpfung

In der Zoonosebekämpfung besteht Handlungsbedarf: konsequente Einhaltung / Kontrolle von Hygienemassnahmen und Verbesserung der Instrumente zur Aufklärung von überregionalen Ausbrüchen.


Im Herbst 2012 haben Noroviren auf gefrorenen Erdbeeren in Deutschland für Schlagzeilen gesorgt, im Frühsommer 2011 waren es EHEC in rohen Sprossen. Diese beiden grossen Ausbrüche haben der Öffentlichkeit nochmals die Bedeutung von Krankheiten, die über Lebensmittel übertragen werden, aufgezeigt.

„Wir stellen zwar bei vielen lebensmittelbedingten Erkrankungen einen Rückgang der Infektionszahlen fest, aber wir müssen dennoch weiter an einer kontinuierlichen und effektiven Zoonosenbekämpfung arbeiten“, sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Vom 12. bis 14. November 2012 haben im BfR über 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neue Erkenntnisse und Entwicklungen zum Thema diskutiert. Handlungsbedarf sehen die Experten beispielsweise bei der konsequenten Einhaltung und Kontrolle von Hygienemassnahmen, der Weiterentwicklung der diagnostischen Methoden, der Verbesserung der Instrumente zur Aufklärung von überregionalen Ausbrüchen und einer Ausweitung des Zoonosenmonitorings.

Infektionen über Lebensmittel werden in Deutschland vor allem durch die Bakteriengattungen Campylobacter und Salmonellen verursacht. Erfolge bei der Zoonosenbekämfung zeigen sich besonders deutlich im Rückgang der Salmonelleninfektionen: Durch Bekämpfungsmassnahmen in den landwirtschaftlichen Betrieben konnten die Infektionszahlen innerhalb von fünf Jahren von etwa 55.000 auf unter 25.000 Infektionen pro Jahr reduziert werden. Infektionen mit Campylobacter sind hingegen weiterhin die häufigsten zoonotischen Infektionen des Menschen und ein Rückgang der Infektionszahlen zeichnet sich bislang nicht ab.

Noroviren auf dem Vormarsch

Neben den bakteriellen Erkrankungszahlen spielen auch die durch Noro- und Rotavirus ausgelösten Infektionen in Deutschland eine grosse Rolle. Dennoch fehlen nach wie vor wichtige Erkenntnisse zu deren Übertragungswegen, Tenazität und Inaktivierung. Auch die Meldungen von Erkrankungen durch das bisher nur wenig untersuchte zoonotische Hepatitis E-Virus nehmen stetig zu. Darüber hinaus muss durch die Ausweitung des globalen Lebensmittelhandels auch mit Viren gerechnet werden, die in Deutschland bisher nur eine untergeordnete Rolle bei Lebensmittelkontamination spielen.

Die Referenten und Teilnehmer der Veranstaltung betonten die Bedeutung der Hygiene, insbesondere von Reinigungs- und Desinfektionsmassnahmen, für die Bekämpfung der unterschiedlichsten Zoonoseerreger.

Wichtig ist hier auch eine kritische Überprüfung der Wirksamkeit der Massnahmen: Neben intensiven Kontrollmassnahmen für bedeutsame Erreger wie Salmonellen oder Campylobacter auf allen Stufen der Lebensmittelkette müssen auch seltene Kombinationen aus Erregern und Lebensmitteln als Gefahrenquelle berücksichtigt werden. So haben verschiedene Krankheitsausbrüche gezeigt, dass auch über pflanzliche Lebensmittel Infektionserreger verbreitet werden können.

Fortschritte sind derzeit bei der Entwicklung diagnostischer Methoden zum Nachweis von Erregern zu verzeichnen. Damit sind neue Herausforderungen verbunden: So ist mittlerweile die Analyse des gesamten Genoms eines Erregers technisch sehr einfach geworden, was ein vertieftes Verständnis der Eigenschaften dieser Erreger und genetischer Veränderungen ermöglicht, aber auch Fragen zur Bedeutung der Daten aufwirft.

So sind beispielsweise Erreger in der Lage, ihre Eigenschaften zu verändern oder sich in anderen Lebensräumen wie Pflanzen zu etablieren. Die Methoden der Diagnostik und Epidemiologie müssen daher stetig weiter verbessert und problembezogen eingesetzt werden.

Erweiterte Möglichkeiten der Datenerfassung und des Datenmanagements sowie die Erarbeitung neuer Methoden zur Simulation erlauben eine verbesserte und schnellere Risikobewertung. Die Zuordnung von Infektionen zur Quelle und die Einschätzung der von bestimmten Erregern ausgehenden Gefahren, werden durch die neuen epidemiologischen und diagnostischen Möglichkeiten kontinuierlich verbessert.

Eine wesentliche Grundlage dafür ist die aktuelle Übersicht über das Vorkommen und die Eigenschaften von Erregern in den verschiedenen Lebensmittelketten, wie sie im Rahmen des Zoonosen-Monitorings gewonnen wird. Daraus ergibt sich die Forderung, die Monitoringaktivitäten weiter zu verstärken.

Essentiell ist die Rückverfolgbarkeit

Bei der Aufklärung grosser Ausbrüche haben Analysen der Lieferströme der Lebensmittel einen zentralen Beitrag geleistet. Die Kombination von Diagnostik in hochspezialisierten Labors mit EDV-gestützten epidemiologischen Untersuchungen, wie sie im BfR zur Verfügung stehen, spielen bei der Ausbruchsaufklärung eine grosse Rolle. Mit Blick auf die komplexen Vertriebswege im Handel wurde für die Ausbruchsaufklärung jedoch Bedarf für verbesserte Instrumente zur Rückverfolgung von Zutaten identifiziert.

Die Diskussionen während der Veranstaltung haben gezeigt, dass der Handlungsrahmen zur kontinuierlichen Zoonosenbekämpfung nach wie vor durch die Stichworte Verbraucheraufklärung, Hygiene und Überwachung der Lebensmittelkette abgesteckt wird. Entscheidend für eine Verbesserung der Zoonosenbekämpfung ist es, neue wissenschaftliche Erkenntnisse nutzbar zu machen und die Bekämpfungsmassnahmen kontinuierlich den neuen Erkenntnissen anzupassen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen. (Text: Bundesinstitut für Risikobewertung BfR 23.11.2012) (gb)


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