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30.07.2013

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KURZNEWS 30. Juli 2013

Alkoholkonsum erneut gesunken / Schweizer Käse: solides Exportwachstum von +2.7% / Wird Tiermehl als Tierfutter bald wieder zugelassen?


Alkoholkonsum erneut gesunken

Nach einer Stagnation im Vorjahr verzeichnet der Konsum an alkoholischen Getränken in der Schweiz 2012 erneut einen Rückgang. Er ist gegenüber dem Vorjahr von 8,5 auf 8,4 Liter reinen Alkohol pro Kopf gesunken. Das ist der tiefste Stand seit Anfang der Fünfzigerjahre. Der Grund dafür ist hauptsächlich der rückläufige Weinkonsum. Der sinkende Pro-Kopf-Konsum darf aber nicht über den problematischen Alkoholkonsum einzelner Bevölkerungsgruppen hinwegtäuschen.

Durchschnittlich haben die Schweizerinnen und Schweizer letztes Jahr einen Liter weniger Wein konsumiert als im Vorjahr (2012 36, 2011 37 Liter effektiv). In reinem Alkohol ausgedrückt (Umrechnung auf einen Alkoholgehalt von 100% zu Vergleichszwecken) beträgt die Differenz einen Deziliter pro Kopf (2012 4, 2011 4,1 Liter reiner Alkohol). Der Rückgang um 2,2 Prozent folgt dem Trend der letzten Jahre und ist sowohl auf einen geringen Ertrag 2012 als auch weniger Importe von Rot- und Weisswein zurückzuführen.

Auch der Bierkonsum ist leicht rückläufig. Mit durchschnittlich 56,5 Litern Bier effektiv pro Kopf ist er gegenüber 2011 (57 Liter effektiv) um 0,5 Liter zurückgegangen. Gemessen in reinem Alkohol vermag sich dieser Rückgang allerdings nicht auszuwirken (2,7 Liter 2011 und 2012). Der Spirituosenkonsum entwickelt sich seit mehr als zehn Jahren parallel zum Bevölkerungswachstum und liegt relativ konstant bei 1,6 Liter reinem Alkohol (3,9 Liter effektiv) pro Kopf.

Die Statistiken in dieser Medienmitteilung basieren auf der Menge Alkohol, die in der Schweiz ver- oder gekauft wird. Diese makroökonomischen Zahlen geben nützliche Hinweise in Bezug auf langfristige Trends. Keinen Aufschluss erlauben sie hingegen über spezifische Konsumprofile einzelner Bevölkerungskategorien. Zur Beurteilung der Alkoholproblematik in der Schweiz bleibt deshalb eine Verknüpfung mit Befragungen zum Alkoholkonsum wie dem Suchtmonitoring Schweiz (www.suchtmonitoring.ch) unerlässlich. (EAV 29.7.2013)



Coop fördert normabweichende Früchte und Gemüse

(Coop 29.7.2013) - Dreibeinige Rüebli, krumme Gurken, übergrosser Blumenkohl oder Aprikosen mit kleinen Flecken: Die Natur hat ihren eigenen Willen. Bisher blieb Früchten und Gemüse jenseits der Norm wegen Handelsvorgaben und den optischen Ansprüchen der Kunden der Weg in den Laden verschlossen. Abgesehen von ihrem ungewöhnlichen Aussehen sind sie jedoch qualitativ einwandfrei und genauso geschmackvoll wie ihre uniformen Geschwister.

Unter dem Namen «Ünique» initiiert Coop verschiedene Massnahmen, damit diese Früchte und Gemüse künftig ihren eigenen Platz in den Supermärkten erhalten. Als erstes bietet Coop in den nächsten Wochen vom Wetter geplagte Walliser Aprikosen in der Box à 2.5 Kilogramm als «Hagelaprikosen für Konfitüre» zum attraktiven Preis von 9.50 Franken an.

Für eine Mehrheit der Kundinnen und Kunden sind optische Kriterien beim Einkauf ausschlaggebend: schöne Form, einheitliche Grösse und keine Dellen. Gemüse und Früchte, die nicht diesem Schönheitsideal entsprechen, kommen bis jetzt nur ausnahmsweise in den Laden, sondern werden etwa in der Gastronomie verwendet oder zu Tierfutter oder Bio-Gas verarbeitet. Coop stellt zunehmend fest, dass Konsumentinnen und Konsumenten heute vermehrt Verständnis haben für die Launen der Natur und bereit sind, auch aussergewöhnliche Naturprodukte zu kaufen.

Diesen Juli hat das Wetter den beliebten Walliser Aprikosen übel mitgespielt: Etwa ein Viertel der Ernte erlitt starke Hagelschäden. Solche Flecken waren bisher ein Ausschlusskriterium. Dabei lassen sie sich prima zu Konfitüre verarbeiten. Deshalb wird Coop in einer einmaligen Aktion in dieser und nächster Woche die verhagelten Aprikosen als Walliser Kochaprikosen verkaufen.

Die Aprikosenaktion ist der erste Schritt, damit möglichst alle geniessbaren Früchte und Gemüse gegessen werden. In einem zweiten Schritt nimmt Coop ab Ende August übergrosse, besonders kleine und unförmige Gemüsesorten ins Sortiment auf. Coop präsentiert diese Früchte und Gemüse, die durch die Launen der Natur speziell gestaltet sind, unter dem Namen «Ünique» in gesonderten Regalen im Verkauf, damit sie künftig den direkten Weg zu den Kunden finden und somit ein grösserer Teil der Ernte gegessen wird. Je nach Saison und Verfügbarkeit gibt es verschiedene dieser Gemüse in grösseren Coop Verkaufsstellen zu attraktiven Preisen.

Dank der 2010 gegründeten Gemüseallianz zwischen den Schweizer Gemüseproduzenten und Coop ist die Herstellung von Gemüse heute schon sehr gut auf die Nachfrage der Kunden abgestimmt. Bei aussergewöhnlichen Wetterbedingungen kann es aber immer noch zu einem zeitweisen Überangebot von gewissen Sorten oder zu übergrossem oder zu kleinem Gemüse kommen. In solchen Fällen hilft Coop mit zusätzlichen kurzfristigen Aktionen, um die Überproduktionen der Landwirtschaft abzubauen und die Verwertung der ganzen Ernte noch stärker zu fördern.



Confiseriegründer Rudolf Läderach gestorben

Rudolf Läderach, der Gründer und langjährige Verwaltungsratspräsident der Confiseur Läderach AG, ist am Sonntag in seinem 85. Lebensjahr verstorben. Rudolf Läderach startete 1962 mit Unterstützung seiner Frau Maria seine Selbstständigkeit in einem Kellerraum im Glarnerland.

Er hat sich als Produzent von hochwertigen, handwerklichen Konfekt- und Schokoladeartikeln für die Confiserie-Branche und weitere professionelle Fachkunden einen Namen gemacht, bevor er mit seinem Verfahren zur Herstellung dünnwandiger Truffes-Hohlkugeln die Produktion revolutionierte und die professionelle Truffes-Herstellung vereinfachte und qualitativ verbesserte. 994 übergab er die operative Führung seines Unternehmens seinem zweiten Sohn Jürg Läderach, dem heutigen Präsidenten des Verwaltungsrates.

Die Freude an der Qualität galt immer dem ganzheitlichen Lebensbild und der Schaffenskraft von Rudolf Läderach: Den Mitmenschen, dem Fachwissen und der Sinngebung seines Wirkens. Diese Freude war bedingungslos und fern jeglicher Effekthascherei, obwohl sein Geschäftsmodell im Allgemeinen und die Erfindung der dünnwandigen Truffes-Hohlkugel im Besonderen in den vergangenen fünfzig Jahren die Confiserie-Branche nachhaltig beeinflussten.

Seiner tüftlerischen Freude am Fachgespräch unter Kollegen und dem aufrichtigen Interesse an den alltäglichen fachlichen Herausforderungen verdanken Konditoren und Chocolatiers viele bahnbrechende Neuerungen, handwerkliche Tipps sowie neue Arbeitsmethoden, die heute aus den süssen Backstuben kaum mehr wegzudenken sind.

Rudolf Läderach stand immer zu klaren Werten und machte diese zur Grundlage seines Wirkens. Seinen Mitmenschen und Kunden zu helfen war dabei immer der tiefere Sinn und Quelle der Kraft, die anfänglichen Rückschläge und unternehmerischen Risiken nicht zuletzt auch mit Demut und Gottvertrauen zu überwinden.

Seine freudige Neugier brachte Rudolf Läderach auch in die 1962 gegründete Firma, die Confiseur Läderach AG, mit ein, wo mittlerweile über 500 Mitarbeitende in der Schweiz und in Deutschland sein Lebenswerk unter Führung seines zweiten Sohnes Jürg Läderach weiter tragen. Aus den bescheidenen Anfängen in einem Kellerraum im Glarnerland sah Rudolf Läderach sein Unternehmen wachsen. Mit Freude verfolgte er den jüngsten Aufbau der eigenen Marke „Läderach – chocolatier suisse“ mit eigener Ladenkette in der Schweiz, Deutschland und in Übersee.

Seine Freude war besonders greifbar anlässlich des fünfzigjährigen Firmenjubiläums 2012, bei dem das Familienunternehmen die eigene Fabrik zur Herstellung der Schokoladegrundmasse (Couverture) eröffnete und damit die gesamte Wertschöpfungskette „von der Kakaobohne bis zur Ladentheke“ eigen-verantwortlich und getreu den Firmenwerten verantworten konnte. Stolz war seine Sache nicht, aber ehrliche Dankbarkeit und Bescheidenheit prägten sein Erscheinen und die Firmenphilosophie. Er beeindruckte Mitarbeitende, Weggefährten und Freunde gleichermassen. (Confiseur Läderach AG 29.7.2013)



Schweizer Käse: solides Exportwachstum von +2.7%

31‘873 Tonnen Schweizer Käse wurden im 1. Halbjahr 2013 exportiert. Im Vergleich zur Vorjahresperiode entspricht dies einem Wachstum von +823 Tonnen (+2.7%). Dies darf vor dem Hintergrund einer latenten Wirtschaftskrise in den europäischen Hauptabsatzmärkten als Erfolg der Schweizer Käsebranche gewertet werden. Weiter verschärft hat sich die Situation beim Käseimport mit einem Anstieg von +2.2% (+566 Tonnen) im Vergleich zum Vorjahr.

Die von Switzerland Cheese Marketing AG (SCM) und TSM Treuhand GmbH, Bern veröffentlichten Zahlen für das erste Halbjahr 2013 belegen, dass die Schweizer Käseexporte die wirtschaftliche Krise bis anhin gut meistern konnten. Mit total 31‘873 Tonnen exportiertem Schweizer Käse übertreffen die Exportzahlen erneut das Niveau der Vorjahre. Diese anhaltend positive Entwicklung und das erneute Wachstum um +2.7% (+823 Tonnen) zeigen, dass die Konsumenten trotz Krise in einigen wichtigen Exportmärkten weiterhin bereit sind, für qualitativ hochstehende Produkte auch einen entsprechenden Preis zu bezahlen. Schweizer Käse steht unverändert weiterhin für Natürlichkeit, Tradition, Qualität und guten Geschmack.

Die Hauptmärkte für Schweizer Käse bleiben die europäischen Nachbarstaaten mit 82% der Exporte. Allein nach Deutschland gingen in den vergangenen sechs Monaten 14‘092 Tonnen Schweizer Käse, was einem Zuwachs gegenüber 2012 von +3.2% (+437 Tonnen) entspricht. Diese Zahl ist allerdings zu relativieren, da Deutschland auch als logistische Plattform für andere europäische Märkte agiert. Sehr beliebt bei den Deutschen bleiben Appenzeller® und Emmentaler AOC, zulegen konnte Le Gruyère AOP.

Die Exporte in die übrigen europäischen Hauptmärkte sind hingegen allesamt leicht rückläufig, was insbesondere im Fall des zweitwichtigsten Exportmarktes, Italien, ins Gewicht fällt – mit einem Minus von -422 Tonnen (-6.8%) im Vergleich zur Vorjahresperiode. Erfreulich zeigen sich die Entwicklungen in Kanada mit einem Wachstum von +14.4% (+66 Tonnen) sowie in den USA mit einem Wachstum von +45.4% (+589 Tonnen) gegenüber derselben Vorjahresperiode. Auch neue Märkte innerhalb und ausserhalb von Europa entwickelten sich positiv. Hier liegt mit Sicherheit weiteres Potential für den Export von Schweizer Käse.

Meistexportierter Schweizer Käse bleibt der Emmentaler AOC, wenngleich die Exportmenge im Vergleich zur Vorjahresperiode um -393 Tonnen (-4.5%) zurückging. Der Le Gruyère AOP bleibt auch in den ersten sechs Monaten 2013 ein sicherer Wert mit einem soliden Wachstum von +398 Tonnen (+7.6%). Überdurchschnittlich zulegen konnte der Switzerland Swiss mit +1‘443 Tonnen (+201.5%). Frischkäse (insbesondere Mozzarella) bleibt auch 2013 für die Käseexportbranche ein wichtiges Produkt. Dank Innovationen und der Fokussierung auf Nischen konnten sich Schweizer Käsefirmen auf dem hartumkämpften EU-Markt behaupten.

So erfreulich die positiven Exportzahlen sind, der Importdruck steigt weiter. So wurden im ersten Halbjahr 2013 +2.2% (+566 Tonnen) mehr ausländische Käse importiert; sie erreichten 26‘114 Tonnen. Die Importe haben bei den Weichkäsen (+198 Tonnen, +3.7%) und überdurchschnittlich bei Halbhartkäse-Spezialitäten (+570 Tonnen, +14.5%) zugenommen. Verloren hat insbesondere die Kategorie Frischkäse/Mozzarella/Quark mit einem Minus von -218 Tonnen (-2.2%). Hauptimportmärkte bleiben Italien (9’742 Tonnen), Frankreich (6‘666 Tonnen) sowie zunehmend Deutschland (6‘070 Tonnen).

Dank dem sehr guten Qualitätsimage halten sich die Schweizer Käse nach wie vor gut im Exportmarkt. Die anhaltende Krise in Europa sowie die damit verbundene schwierige Wechselkurssituation hinterlassen jedoch ihre Spuren. Der eingeschlagene Weg der intensiven Kommunikationsarbeit von SCM und Schweizer Käsebranche muss fortgeführt und punktuell verstärkt werden.

Weitsicht ist wichtig: so müssen auch in Zukunft die Stärken hervorgehoben, d.h. die traditionellen Märkte weiter intensiv bearbeitet, aber zunehmend auch neue Märkte anvisiert werden. Die grössten Abnehmer für Schweizer Käse bleiben auch in Zeiten der europäischen Wirtschaftskrise unsere Nachbarländer Deutschland, Italien und Frankreich. (witzerland Cheese Marketing AG,TSM Treuhand GmbH 26.7.2013)



Denner setzt auf Migros-Kapseln

25.07.2013 - (lid) – Denner lässt künftig seine Nespresso-kompatiblen Kaffee-Kapseln von der Migros-Tochter Delica produzieren. Die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Lieferanten Alice Allison wird reduziert.

Denner habe den Ausbau des Schweizer Start-Ups Alice Allison über mehrere Jahre unterstützt, schreibt der Detailhändler in einer Medienmitteilung. Allerdings habe sich mit dem Verkauf der Firma an die japanische UCC deren Strategie geändert, während für Denner die Weiterentwicklung und Verbesserung der Kaffeekapsel zentral bleibe. Mit Delica sei nun ein Lieferant gefunden worden, welcher der Forderung nach technischer Innovation und Nachhaltigkeit Rechnung trage.

Der Entscheid für den neuen Partner steht laut Denner in keinem Zusammenhang mit den bisherigen gerichtlichen Verfahren mit Nespresso im Kapselstreit. Delica produziert seine Kapseln in Birsfelden. Denner wird die Form der Kapseln übernehmen, die Rezeptur des bisherigen Denner-Kaffees bleibt aber erhalten.



EU prüft Schächt-Kennzeichnung

fleischwirtschaft.de – BRÜSSEL. Die EU-Kommission will eine Kennzeichnung des Fleischs von geschächteten Tieren prüfen. Das hat EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg der niederländischen Landwirtschaftsministerin im Agrarrat zugesichert. Sie forderte mehr Verbraucherinformation und den schnellen Abschluss einer bereits im vergangenen Jahr angekündigten Studie. Borg versprach, die Untersuchung im April 2014 zu veröffentlichen. In die Bewertung sollen auch die zusätzlichen Kosten für die Kennzeichnung einfliessen. (afz 24.7.2013)



PRESSESCHAU

Wird Tiermehl als Tierfutter bald wieder zugelassen?

Seit der BSE-Krise werden Schlachtreste konsequent verbrannt – und damit riesige Mengen 
von wertvollem Eiweiss vernichtet. Nun plant die EU, wieder Tiermehl an Tiere zu verfüttern.

Das Lysser Fleischverarbeitungswerk GZM hatte damals ein Problem: Plötzlich galt das bisherige Futtermittel als Hochrisikomaterial. «Wir mussten neue Absatzwege für unser Tiermehl aufbauen», erinnert sich GZM-Chef René Burri. Die Lösung war und ist der Einsatz als Brennstoff in Zementwerken. Insgesamt lösten sich seither in der Schweiz mehr als eine Million Tonnen Schlachtreste in Rauch auf. Deren Entsorgungskosten stiegen auf rund 100 Millionen Franken jährlich. Etwa die Hälfte bezahlt der Bund.

Die Vernichtungspraxis wirft Fragen auf. «Es ist nicht akzeptabel, derart grosse Mengen Eiweiss nicht zu nutzen», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. Auch der Bundesrat schreibt, jedes Jahr 155'000 Tonnen tierischer Produkte zu verbrennen sei weder ethisch noch aus Sicht einer haushälterischen Ressourcennutzung vertretbar. Während der weltweite Eiweissbedarf steigt, werden die Ressourcen knapper.

Besonders pikant: Auch wegen des Tiermehlverbots importiert die Schweiz zur Tierfütterung immer mehr ausländisches Sojaschrot als Eiweissträger, vor allem aus Brasilien. 2012 war es mit 300 000 Tonnen dreimal so viel wie im Jahr 2000, vor dem Tiermehlverbot. Die Sojaimporte stossen auf breite Kritik: Für die riesigen Monokulturen werden in Brasilien Regenwald und kleinbäuerliche Existenzen zerstört. Und: Soja ist für den Menschen essbar, wird aber an Tiere verfüttert.

Befeuert werden die Sojaimporte durch das Verbot der sogenannten Schweinesuppe: Früher verfütterten Schweizer Schweinehalter jährlich rund 170'000 Tonnen Gastro-Speisereste. Das untersagte die EU – obwohl es laut Martin Rufer vom Bauern­verband in der Schweiz anders als in gewissen EU-Ländern nie hygienische Probleme mit der Schweinesuppe gab.

Diese gewaltige Futtervernichtung wirft Fragen auf. Hierzulande Eiweiss zu verbrennen, um es dafür in Form von Soja aus Übersee herzuschippern, ist ökonomisch und ökologisch absurd. Zumal das verbrannte tierische Protein Vorteile hätte: «Geflügel und Schweine als Allesfresser können es deutlich besser verwerten als pflanzliches Eiweiss», sagt Annette Liesegang, Professorin für Tierernährung der ETH Zürich. Zudem sei tierisches Material eine gute Quelle für Phosphor, einen zweiten knappen Nährstoff.

Liesegang begrüsst daher die – noch vagen – Pläne der EU, Tiermehl künftig auch als Schweine- und Geflügelfutter wieder zuzulassen. Allerdings mit strengen Auf­lagen: Tiermehle aus Rinderfleisch sollen ebenso tabu bleiben wie die Verfütterung von Tiermehl an Pflanzenfresser (Rinder, Schafe und andere). Nur Allesfresser sollen Tiermehl bekommen, und es darf nur Schwein an Geflügel und Geflügel an Schwein verfüttert werden. Um diese Reinheit zu garantieren, müssten die Wege entlang der ganzen Verarbeitungskette vollständig getrennt sein.

Doch dem BSE-Forscher Adriano Aguzzi ist angesichts dieser Pläne höchst unwohl. Er ist nach wie vor strikt gegen die Verfütterung von Tiermehl, weil er befürchtet, dass eines Tages auch wieder rinderbasiertes Tiermehl zugelassen wird und manche Bauern entgegen den Vorschriften ihre Rinder damit mästen. Die praktisch ausgerottete BSE-Seuche begänne womöglich von neuem.

Und: Werden die Konsumenten das Ende des Tiermehlverbots schlucken? Nein, glaubt Martin Rufer vom Bauernverband. Für die Tiermehlverarbeitung müsste künftig die gesamte Logistik – bei Schlachterei, Transporten, Verarbeitung – getrennt werden. Wegen der hohen Umstellungskosten dürfte hierzulande kaum eine gewinnbringende Produktion möglich sein. Trotzdem halten Experten es für sinnvoll, diese Proteinressource zu nutzen, die immerhin fünf bis zehn Prozent des Eiweissbedarfs von Schweizer Schweinen und Geflügel decken könnte.

René Burri, Chef des Fleischverarbeitungswerks GZM, ist skeptisch: «Ich bezweifle, dass sich in der kleinen Schweiz die Tiermehlproduktion nach den neuen Regeln wirklich in grossem Stil durchsetzen wird.» Werden weiterhin Abertausende Tonnen Reste verbrannt, könnte die GZM ihr Motto auch künftig nur halbherzig umsetzen: «Wir verwerten sinnvoll.» (Auszug aus dem Bericht im Beobachter vom 26.7.2013)

(gb)


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