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14.10.2006

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Acrylamid-Warnungen fruchten wenig

Eine Repräsentative Umfrage des BfR belegt erfolgreiche Risikokommunikation von Acrylamid: Die Verbraucher kennen das Risiko, aber sie ändern ihr Verhalten kaum.



Die deutschen Verbraucher sind über das Vorkommen von Acrylamid in Lebensmitteln und über das damit verbundene Gesundheitsrisiko gut informiert. Sie wissen, dass der Stoff nach dem Backen, Braten und Frittieren in stärkehaltigen Lebensmitteln wie Chips, Bratkartoffeln oder Pommes Frites enthalten sein kann. Sie wissen auch, dass der Acrylamidgehalt eines Lebensmittels von der Art und Weise der Zubereitung abhängt. Und sie wissen, dass Acrylamid schädlich ist.

Trotzdem nutzt nur ein kleiner Teil der Verbraucher dieses Wissen für eine Risiko mindernde Änderung des Verhaltens. Das zeigen die Ergebnisse einer Studie des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung BfR zur Wirkung der Risikokommunikation bei Acrylamid, die jetzt im Rahmen eines Abschlussworkshops vorgestellt wurden.

„Die Ergebnisse zeigen, dass Risikokommunikation erfolgreich sein kann, wenn die Akteure mit einer Stimme sprechen“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Verbraucher haben einen Anspruch auf klare, verständliche und umfassende Informationen und erwarten sie auch. Die Informationen allein reichen aber nicht aus, um Verbraucher dazu zu motivieren, ihr Verhalten zu ändern“. Verbraucher nutzen sie offenbar vielmehr für eine persönliche Nutzen-Risikoanalyse.

Das BfR hatte die Studie im Rahmen seines gesetzlichen Auftrags zur Information der Öffentlichkeit über Gesundheitsrisiken von Lebensmitteln, Stoffen und Produkten in Auftrag gegeben. Ziel der Studie war es zu ermitteln, ob die Risikokommunikation des BfR zu Acrylamid die Verbraucher erreicht und ihr Verhalten beeinflusst hat.

Dafür befragten die Bonner Wirtschaftspsychologen Vierboom & Härlen 1000 repräsentativ ausgewählte Personen und führten 55 Interviews mit Verbrauchern und Verbraucherinnen unterschiedlichen Alters. Ferner befragten sie 45 Vertreter unterschiedlicher Medien, die als Multiplikatoren bei der Kommunikation gesundheitlicher Risiken bei Lebensmitteln fungieren.

Das Ergebnis: Das Thema Acrylamid in Lebensmitteln steht im persönlichen Risikoranking der Verbraucher derzeit nicht an erster Stelle. Gleichwohl ist es gegenwärtig und im kollektiven Bewusstsein verankert. Die meisten Verbraucher wissen, dass der Stoff bei der Zubereitung bestimmter Lebensmittel entstehen oder in Fertigprodukten enthalten sein kann.

Acrylamid in Lebensmitteln wird aber nicht als unmittelbar bedrohlich für die eigene Gesundheit angesehen. Für gefährlicher als Acrylamid halten die Verbraucher mikrobielle Risiken, wie Salmonellen, oder Rückstände von Pflanzenschutzmitteln auf ihren Lebensmitteln. Insgesamt gehen die Befragten mit dem Problem Acrylamid eher rational um:

Sie meiden Lebensmittel, die Acrylamid enthalten könnten zwar nicht, ein Teil der befragten Verbraucher bereitet Speisen jetzt aber sorgfältiger und nach der Regel „Vergolden statt verkohlen“ zu, damit möglichst wenig Acrylamid entsteht. Insgesamt ist die Zahl der Verbraucher, die angeben, ihr Verhalten mehr oder weniger stark geändert zu haben, mit 30-40 Prozent allerdings eher klein. Dabei gilt: Wer sein Verhalten ändert, ist auch gut informiert.

Mit den teils widersprüchlichen und komplexen Informationen zur Sicherheit von Lebensmitteln, die über die Medien auf sie einströmen, können Verbraucher nur schwer umgehen - auch das zeigt die Studie. Informationen aus dieser Quelle werden zwar wahrgenommen. Für das eigene Handeln sind Informationen von Institutionen, denen Vertrauen entgegen gebracht wird, aber wichtiger.

Dazu gehören in erster Linie die Verbraucherberatungen - auch, weil sie vor Ort sind. Staatliche Behörden rangieren in der „Vertrauensskala“ erst an dritter Stelle. Immer gilt: Aussagen müssen klar und eindeutig sein und konkretes Handeln ermöglichen. Sie sollen so aufbereitet sein, dass sie eine individuelle Risikoabschätzung und Entscheidung ermöglichen. Neben der Information über das Risiko erwartet der Verbraucher Hinweise zum Umgang mit dem Risiko. Dazu zählen zum Beispiel Tipps für die Zubereitung von Speisen oder Hinweise auf einen potentiell hohen Gehalt an Acrylamid in einzelnen Produkten.

Insgesamt belegen die Ergebnisse der Studie eine gelungene Kommunikation über das gesundheitliche Risiko von Acrylamid in Lebensmitteln. Das war nach Einschätzung der Teilnehmer am Abschlussworkshop möglich, weil Institutionen, die das Verbrauchervertrauen geniessen, mit übereinstimmenden Informationen an die Öffentlichkeit getreten sind.

Für das BfR ist die Erkenntnis von besonderer Bedeutung, dass Verbraucher sich ihre Informationen vorrangig von vertrauenswürdigen Institutionen vor Ort holen. Für die Risikokommunikation des Instituts ein klarer Hinweis, noch stärker mit diesen „trustworthy institutions“ zusammenzuarbeiten und die Ergebnisse wissenschaftlicher Risikobewertungen des BfR in klarer und eindeutiger Sprache an diese wichtigen Multiplikatoren zu übermitteln. (Quelle: BFR)
(gb)


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