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19.5.2009: nachrichten
19.5.2009
KURZNEWS 19. Mai 2009

CH-Lebensmittelrecht: Neues zur Allergen-Deklaration / Kartoffel-Vielfalt: Teilerfolg für Pro Specie Rara / EU-USA: Memorandum zum Hormonstreit / EU: Streit um Nährwertprofile


Revision Lebensmittelrecht: Anpassungen ans EG-Recht

Der Bundesrat hat Änderungen der Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung LGV verabschiedet. Gleichzeitig revidieren das Departement des Innern EDI und das Bundesamt für Gesundheit BAG zahlreiche Verordnungen des Lebensmittelrechts. Die Anpassungen stehen im Zeichen der Angleichung an das EG Recht im Lebensmittelbereich und erfolgen im Hinblick auf die Erleichterung des freien Warenverkehrs mit der EU.

Die Änderungen der LGV traten am 1. Mai in Kraft. Die Inkraftsetzung der anderen Anpassungen erfolgt am 25. Mai. Anpassungen bei der Deklaration von allergenen Substanzen bringen Vorteile für Lebensmittel-Allergiker. Wissenschaftliche Untersuchungen haben nämlich gezeigt, dass gewisse Lebensmittelzutaten, die aus Bestandteilen mit Allergiepotential bestehen, nach den Verarbeitungsprozessen keine unerwünschten Reaktionen mehr verursachen. Diese Tatsache wurde in der Kennzeichnungsverordnung berücksichtigt.

Mit der Einführung von speziellen Hygiene-Anforderungen an Sömmerungsbetriebe und der Ausweitung von Vorschriften betreffend toxischen und allergenen Stoffen aus Gebrauchsgegenständen werden Neuerungen im Zeichen des Gesundheitsschutzes eingeführt, welche im EG-Recht nicht enthalten sind.

Die Einführung von spezifischen Hygienevorschriften zur Verarbeitung von Milch in Sömmerungsbetrieben berücksichtigt deren spezielle geografische Lage.

Bei den Rechtsvorschriften für Gebrauchsgegenstände werden Grundsteine gelegt, um neben Grenzwerten für weitere allergene Stoffe auch solche für toxische Stoffe festlegen zu können. Die neuen Vorschriften werden unter anderem zur Sicherheit von Modeschmuck beitragen.
(Quelle: Bundeamt für Gesundheit (BAG) / 18.5.2009)



ProSpecieRara kann nicht genehmigte Kartoffeln im Kleinen erhalten

ProSpecieRara erzielt einen Teilerfolg: Die Organisation zum Erhalt der genetischen Vielfalt in der Schweiz darf fünf Kartoffelsorten im kleinen Rahmen weiter anpflanzen.

Damit kommt der Bund der Organisation entgegen, wie die Nachrichtenagentur SDA berichtet. Der Verkauf bleibt aber verboten. Darauf einigten sich das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) und ProSpecieRara am Donnerstag, 14. Mai 2009. Das BLW hatte Ende April einen Antrag auf kommerzielle Nutzung gewisser alter Kartoffelsorten nicht genehmigt.

An diesem Entscheid ändert sich nichts. Die Kartoffelsorten verfügen nämlich nicht über einen ausreichenden Schweizer Hintergrund für die kommerzielle Nutzung. "Die Kartoffeln in den bereits angepflanzten Flächen dürfen aber weiter gedeihen", sagte Hans Dreyer vom BLW auf Anfrage der SDA. Sie dürfen aber nicht in den grossflächigen Anbau kommen. In der Fachsprache heisst das, es darf keine Vermehrung der Kartoffeln stattfinden.

Jedes Land habe gemäss Völkerrecht den Auftrag, seine pflanzengenetischen Ressourcen zu erhalten, sagte Dreyer. Entsprechend diesem Auftrag konzentriere sich die Schweiz zur Nutzung und Erhaltung von alten Sorten, die gut an die hiesigen Bedingungen angepasst sind. Der Bund wolle es jedoch ermöglichen, dass Bauern auch gewisse andere Pflanzen anbauen könnten, sagte Dreyer. "Hier suchen wir aber noch nach einer klugen Lösung, die dem internationalen Recht entspricht."

Insgesamt hatte ProSpecieRara für 15 Kartoffelsorten eine Genehmigung beantragt, 8 davon genehmigte das BLW. Bei den fünf nicht genehmigten Sorten handelt es sich um "Corne de gatte", "Vitelotte noire", "Roosevelt", "Highland Burgandy Red" und "Patates Verrayes". Bei seinem Entscheid beruft sich das BLW auf die Saat- und Pflanzengutverordnung. ProSpecieRara befürchtet daher auch Konsequenzen für ihre Gemüsesorten. Von 500 Sorten im Angebot von ProSpecieRara droht der Hälfte das Aus. Dies sucht ProSpecieRara unter anderem mit der Kampagne "Vielfalt für alle" zu verhindern.
(Quelle: LID / 18. Mai 2009)



EU und USA unterzeichnen Memorandum zum Hormonstreit

Die EU und die USA haben die Bedingungen für die vorläufige Einigung im Streit um Fleisch von hormonbehandelten Rindern in einem Memorandum festgehalten. Dies berichtete die EU-Kommission am 14. Mai 2009 in Brüssel. Die Amerikaner senken die Strafzölle von 116 auf 38 Millionen US-Dollar und verzichten auf wechselnde Listen von betroffenen Produkten, die so genannten Karussell-Sanktionen.

Die EU schafft im Gegenzug ein neues zollfreies Einfuhrkontingent für 20'000 Tonnen Fleisch von nicht mit Hormonen behandelten Rindern, schreibt der Agrarpressedienst AIZ. Einigen sich die beiden Handelspartner nach drei Jahren auf eine zweite Phase, streichen die USA die Strafzölle komplett und die EU erhöht das Einfuhrkontingent auf 45'000 Tonnen. Diese Mengen gelten zusätzlich zum bereits bestehenden Zollkontingent von 11'500 Tonnen. In einer dritten Phase soll nach einer endgültigen Lösung gesucht werden.
(Quelle: LID / 15.05.2009)



Erster Schweizer FoodTec Day 2009 / Innovationsstrategien für KMU in der Lebensmittelindustrie

Mehr als 130 Personen nahmen letzten Freitag am ersten Swiss FoodTec Day teil, der Fach- und Innovationskonferenz der Schweizer Lebensmittel- und Ernährungsindustrie. Innovationsprozesse für KMU im Foodbereich standen im Fokus.

„Der erste Schweizer FoodTec Day zeigt Wege auf, wie Innovation im teilweise stark fragmentierten und regulierten Markt der Lebensmittelindustrie gefördert werden kann“, sagt Professor Erich Windhab, KTI Life Sciences / ETH Zürich.

Die Fachtagung im neu umgebauten Hochhaus in Schlieren vermittelte einerseits einen Überblick über die aktuelle Forschungsagenda der Lebensmittel- und Ernährungsindustrie. Andererseits wurden Ansätze insbesondere für KMU aufgezeigt, wie durch Kooperationen mit Forschungsinstituten und der KTI (Förderagentur für Innovation des Bundes) neue Innovationsprozesse angestossen werden können.

Durch die Lancierung des Schwerpunktprogramms „Food“ können diese Kooperationen noch stärker gefördert werden. „Es ist angezeigt, der Schweizerischen Lebensmittelindustrie den Rücken für erweiterten Erfolg durch Prozess- und Produktinnovation auf internationalem Parkett zu stärken“, sagt Windhab. „Damit können auch Freiheitsgrade für die im europäischen Kontext im Gange befindliche nationale Deregulierung gewonnen werden“, so Windhab weiter.

Eröffnet wurde die Innovationskonferenz von Professor Beda M. Stadler, Leiter von KTI Life Science und aktive Stimme für die Life Sciences in der Schweiz. Im Auftaktreferat betonte Professor Ernst J. Windhab die Wichtigkeit des engen Zusammenspiels von Food-Industrie und Hochschulinstituten in Forschung und Entwicklung. Anhand von konkreten und aktuellen Innovationsbeispielen wurden im Anschluss Erkenntnisse aus den Bereichen “Produkte”, “Prozesse” und “Dienstleistungen” vertieft.

Stefan Palzer von Nestlé Research Lausanne zeigte auf, dass neuentwickelte Food-Produkte die Kriterien „Gesundheit“, „Preiswertigkeit“ wie auch „Geschmacksintensität“ erfüllen müssen. Dr. Diethelm Boese, Head of Corporate Research and Development bei Bühler AG erörterte am Beispiel von Getreide, Pasta und Reis die grossen Herausforderungen von Food-Prozessen.

Und Dr. Stephan Sigrist von W.I.R.E. zeigte auf, welche Konsequenzen sich für die Food-Industrie aus den Makro-Konsumententrends ergeben: Neue Food-Trends werden in immer schnelleren Abständen, aber mit kürzerer Halbwertszeit auf einander folgen. Demographie wird zunehmend der Taktgeber für die Marktentwicklung in der Foodindustrie. Grundgüter werden zunehmend zu Luxusgütern.

Am Rande der Fachkonferenz gaben 62 Forscherinnen und Forscher in einer Poster-Ausstellung Einblick in ihre aktuellen Projekte und zeichneten eine vielfältige Forschungsagenda. „Die Poster-Ausstellung gibt einen breiten Überblick über den aktuellen Stand von Forschung und Innovationen im Schweizer Food-Sektor“, sagt Jean-Claude Villettaz, Co-Präsident von Swiss Food Research.

Die Posters zum Thema Produktentwicklungen deckten von Getreide über Obst, Fleisch und Milch verschiedenste Lebensmittelbereiche ab. Eine vorgestellte Prozessinnovation war die Untersuchung von Charakteristiken von Emulsionen, die in statischen Mixern hergestellt werden. Auch Untersuchungen zu Essgewohnheiten der „Silver Generation“ oder die Anwendung kultureller Erfahrungen für Food-Innovationsprozesse wurden vorgestellt.

Die Fach- und Innovationskonferenz wurde von Swiss Food Research, dem F&E-Konsortium für Food, in Zusammenarbeit mit der KTI (Förderagentur des Bundes) organisiert. Beteiligte Forschungsinstitutionen waren die ETH Zürich, Agroscope Changins-Wädenswil und Liebefeld-Posieux, die Fachhochschule Westschweiz Sion sowie die ZHAW Wädenswil.

Vertreten waren auch Referenten aus der Wirtschaft. Abgeschlossen wurde der erste Swiss FoodTec Day mit einem standesgemässen “Bread & Wine Tasting” organisiert von Spezialisten der ZHAW Wädenswil.
(Quelle: Communicators / 15. Mai 2009)



Schlechte Konjunktur schlägt auf das Gastgewerbe durch

Die schlechte Konjunktur schlägt sich auf das Gastgewerbe nieder. Im ersten Quartal 2009 sind die nominellen Umsätze im Gastgewerbe (Hotellerie und Restauration) gegenüber dem Vorjahresquartal um 6,3 Prozent eingebrochen. Von den Umsatzrückgängen überdurchschnittlich betroffen sind Berggebiete, Hotels und die Vergnügungsgastronomie. Das ergab die neueste Konjunkturumfrage der KOF in Zusammenarbeit mit GastroSuisse.

Gemäss neuester KOF-Umfrage im Gastgewerbe sind die nominellen Umsätze für das erste Quartal 2009 gegenüber dem Vorjahresquartal um 6,3 Prozent zurückgegangen. Die negative Entwicklung betrifft sowohl die Restauration als auch besonders die Beherbergung. So verzeichneten die Beherbergungsbetriebe im ersten Quartal 2009 trotz guter Wintersportbedingungen einen Umsatzrückgang von 12,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Für diesen Umsatzrückgang verantwortlich sind deutlich gesunkene Logiernächtezahlen bei In- und Ausländern.

Auch die Restauration meldet einen Umsatzrückgang, und zwar von 2,9 Prozent. Daran ist nicht nur der strenge Winter resp. das Wetter schuld, sondern auch eine fehlende Nachfrage. Die schlechte Konjunktur zeigt Spuren im Gastgewerbe. Abwärtstrend setzt sich fort Die Ertragslage hat sich im ersten Quartal 2009 erheblich verschlechtert. Die Befragten rechnen damit, dass sich die Geschäftslage in den nächsten sechs Monaten noch verschlimmert.

So wird der gastgewerbliche Absatz im zweiten Quartal 2009 gemäss Einschätzung der befragten Unternehmen markant abnehmen. Dabei wird die Konjunkturflaute verstärkt auch die gastgewerbliche Nachfrage in Seegebieten und den grossen Städten erfassen.

Zusätzlich belastet werden die Umsätze durch die in Kraft tretenden Rauchverbote. Im Weiteren gehört das Gastgewerbe gemäss BAK Basel zu den drei Branchen, die auch im Jahr 2010 noch einen Rückgang der realen Bruttowertschöpfung in Kauf nehmen müssen. Angesichts dieses Abwärtstrends wird auch mit einem Beschäftigungsrückgang gerechnet, wobei die Beherbergungsbetriebe für die nähere Zukunft pessimistischer sind als die Restaurants.

Rund 400 Gastronomiebetriebe mit ungefähr 15'000 Beschäftigten haben an der KOFErhebung teilgenommen, die in Zusammenarbeit mit dem Branchenverband GastroSuisse realisiert wurde.
(Quelle: GastroSuisse / 15.5. 2009)



6. Creativ Wettbewerb “Tartelettes Phantasia"

Aus fast 50 Rezepteingängen durfte die sechsköpfige Jury unter der Leitung von Chrüter Oski die Finalisten bestimmen. So vielfältig wie die Herkunft der Finalisten ist so vielfältig waren auch die eingesandten Kreationen. Wir dürfen einen spannenden Final erwarten, vor allem auch dank den Lehrlingen. Bereits zum 6. Mal führt HUG den Creativ Wettbewerb mit seinen Partnern durch. Der bekannte Wettbewerb zeichnet sich auch dieses Jahr wieder durch phantasievolle und spannende Rezepturen aus.

Die Jury war jedenfalls begeistert von den vielen tollen Einsendungen. Interessant ist, dass die Kreationen der Lehrlinge extrem hochwertig sind. Sie halten mit den Rezepturen der Ausgebildeten gut mit.

Bei der Finalisten-Auswahl wusste die Jury nicht, wer sich hinter den Kreationen versteckt und von welchem Betrieb diese kommen. Umso schöner ist es, dass die Herkunft der Finalisten sehr vielfältig ist. Von Top-Restaurant über Confiserie bis zu Gemeinschaftsgastronomie ist alles vertreten. Die Finalisten 2009 sind:

Kategorie Lehrlinge:

- Dominik Suter (1 LJ), Restaurant Kaiserstock, Riemenstalden
- Christina Bürge (3 LJ), Confiserie Sprüngli, Dietikon
- Martin Kathriner (2 LJ), Cantina Caverna, Lungern
- Tobias Niederhäuser (2 LJ), Privatklinik Wyss, Münchenbuchsee
- Tim Hauri (1 LJ), Hotel Seeburg, Luzern

Kategorie Ausgebildete:

- Micha Schärer, Castello del Sole, Ascona
- Daniel Meier, Confiserie Bachmann, Luzern
- Thomas Aufdermauer, Landgasthof Puurehuus, Wermatswil
- Pascal Inauen, Hotel Hof Weissbad, Weissbad
- Franziska Friedli, Kinderheim Heimelig, Kerzers

Die Finalisten werden am 12. Juni in den Räumlichkeiten vom Richemont Luzern um den Sieg kreieren. Die beiden Sieger haben die einmalige Möglichkeit im Word Trade Center (notabene eines der grössten Kongresshotels der Welt!) in Dubai über die Schultern der Köche zu schauen. Natürlich wird nicht nur gearbeitet, sondern auch das orientalische Leben in Dubai genossen. Alles in allem ein unbezahlbarer Gewinn, der den Creativ Wettbewerb wieder sehr attraktiv macht.
(Quelle: Hug AG - Malters / 15.5.2009)



Neue Equipe leitet Agro-Marketing Suisse

Am 14. Juni 2009 wählte die Agro-Marketing Suisse AMS Urs Schneider zum neuen Präsidenten und Charlotte Hofstetter zur Geschäftsführerin. Zudem wurde der Start einer Marketingoffensive im Gastrokanal angekündigt.

Die neue AMS-Crew nach der Wahl in Aarburg: Präsident Urs Schneider und Geschäftsführerin Charlotte Hofstetter Seit Ihren Anfängen im Jahr 1998 leiteten Präsident Jürg Schletti und Geschäftsführer Niklaus Schällibaum die Geschicke der AMS. Der scheidende Präsident kündete deshalb einen Generationenwechsel an. All die Jahre, die ins gemeinsame Marketing der Schweizer Agrarprodukte gesteckt wurden, bezeichnete Schletti als Investition in die Zukunft.

Besonders erwähnte er die Schlüsselprojekte, wie die Schaffung des Herkunftszeichens Suisse Garantie, der Auftritt an der Grünen Woche Berlin oder die Expoagricole an der Expo.02 in Murten. Schletti sagte, „es ist matchentscheidend, dass das Schweizer Agrarmarketing weiter professionalisiert wird und die Branchen eng zusammenarbeiten in der Promotion von Schweizer Produkten.“

Nach seiner Wahl dankte Urs Schneider, der neue AMS-Präsident, den Delegierten für seine Wahl zum zweiten Präsidenten in der Geschichte der AMS. Er sieht es als Hauptaufgabe, in den kommenden Jahren „alles daran zu setzen den Absatz schweizerischer Produkte zu halten und auszubauen.“ Im Weiteren will er die verfügbaren Mittel effizient einsetzen und den Dialog mit allen Partnern pflegen. In der Werbung für Agrarprodukte will Schneider das erreichte Niveau halten und neue Volltreffer landen, wie er in Aarburg sagte.

Das Hotel Krone in Aarburg stand ganz im Zeichen von Suisse Garantie. An der Mitgliederversammlung der AMS stellte Regula Kennel, die Leiterin der Arbeitsgruppe Garantiemarke, das neue Gastrokonzept für das Herkunftszeichen Suisse Garantie vor. Die Konsumenten sollen sich auch beim Ausserhauskonsum für Suisse Garantie entscheiden können.

Bruno Lustenberger, der Besitzer des Gasthofes Krone sagte, seine Gäste seien begeistert von der klaren Herkunftsdeklaration und auch die vielen Gestaltungsmittel, wie Wimpel, Schürzen, Tischsets, und Prospekte würden helfen, „Suisse-Garantie-Stimmung“ aufkommen zu lassen.
(Quelle: LID / 14.05.2009)



Nährwertprofile – zur Chefsache erklärt!

Die EU-Kommission tut sich weiterhin schwer mit der Umsetzung der „Health Claims“-Verordnung. Die Festlegung von Nährwertprofilen ist – mitten in der Weltwirtschaftskrise – zu einem Problem geworden, mit dem sich der Präsident der EU-Kommission persönlich befasst und das nur noch auf höchster Regierungsebene diskutiert wird! Die gesetzten Fristen verstreichen und die Industrie wartet vergeblich auf klärende Entscheide.

Die Verordnung Nr. 1924/2006/EG über „nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben“ vom 20. Dezember 2006 hat der EU-Kommission einige Aufgaben übertragen und dafür Fristen festgelegt. Eine davon betrifft die Festlegung von „Nährwertprofilen“, die massgebend dafür sein werden, ob für ein Lebensmittel überhaupt noch derartige Aussagen zulässig sind. Was auf den ersten Blick als ein eher technischer Auftrag aussah, erweist sich zwischenzeitlich als Politikum von höchster Brisanz.

Als Erste auf die Barrikaden stiegen die deutschen Bäcker, als ein Entwurf vorlag, der traditionelles deutsches Brot wegen dessen Salzgehalt disqualifizierte. Auch ein Vorschlag, die Salz-Limite über sechs Jahre stufenweise zu reduzieren, vermochte die Gemüter nicht zu beruhigen.

Zwischenzeitlich haben sich weitere Bereiche, wie der Käse, das Fleisch, der Fisch und die Eier dem Protest angeschlossen. Das Geschäft ist im Ministerrat derart blockiert, dass sich der Kommissionspräsident, José Manuel Barroso, damit höchstpersönlich befasst. Eigentlich hätten die Nährwertprofile innert zwei Jahren nach Inkrafttreten der Verordnung, d.h. bis am 19. Januar 2009 festgelegt sein müssen. Es wird wohl noch etwas länger dauern – wie lange nur?

Eine weitere Frist, nämlich jene vom 19. Januar 2010 ist für die Industrie noch gravierender. Ab diesem Datum sind nur noch nährwertbezogene Angaben zugelassen, die im Anhang zur Verordnung ausdrücklich erwähnt sind.

Dass die am 1. Juli 2007 in Kraft getretene Liste unvollständig ist, dürfte evident sein: Die CIAA hat rund 40 Ergänzungsanträge gestellt. Bis heute ist die Kommission darauf nicht eingetreten! Soll die Industrie nun nicht gelistete aber EU-weit übliche Nährwertangaben, wie „enthält Omega-3-Fettsäuren“ oder „cholesterinarm“ von den Packungen entfernen, um am 19. Januar 2010 nicht illegal auf dem Markt zu sein, oder kann sie darauf hoffen, dass die Kommission noch aktiv wird?
(Quelle: fial-letter 30.4.2009)

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