Food aktuell
Backwaren & Confiserie: Report
Backwaren & Confiserie
Run auf Biosüsswaren an der ISM 2008

Schokolade und Kekse müssen in erster Linie erstklassig schmecken, aber neu werden ihnen Heilpflanzen und Exotisches beigemischt. Trinkschokolade erlebt neue Aufmerksamkeit. Bio und Fair-Trade sind wachsende Nischen. Trends an der internationalen Süsswarenmesse ISM in Köln Ende Januar 2008.



Vier Tage lang standen Süsswaren und Knabberartikel im Mittelpunkt des Interesses der rund 34.000 Einkäufer aus 143 Ländern, die zur Internationalen Süsswarenmesse (ISM) vom 27. bis 30. Januar 2008 nach Köln kamen. 1.675 Anbieter aus 70 Ländern zeigten ein umfassendes Spektrum an Produkten - von Schokolade- und Zuckerwaren, von süssem Gebäck bis zu herzhaften Knabbereien. Der Auslandsanteil betrug bei den Besuchern 63 Prozent, 81 Prozent bei den ausstellenden Unternehmen. Bild: Printdesign-Pralinés am Stand des französischen Edelcouvertüre-Herstellers Valrhona.

Übereinstimmend berichten die Anbieter von intensiven Gesprächen mit einem gut informierten und hochkarätigen Fachpublikum. Neben den Entscheidern aus den deutschen Handelsunternehmen und den New Channels waren auch aus dem Ausland die Top-Einkäufer, Importeure und Distributeure von Süsswaren, nach Köln angereist. Daher sind auch die Erwartungen für das Nachmessegeschäft im In- und Ausland optimistisch - den steigenden Rohstoffpreisen und den daraus resultierenden Preisdiskussionen zum Trotz.

Anbieter setzen für 2008 Impulse mit Produktneuheiten

"Das Besuchsergebnis unterstreicht sowohl in Qualität als auch Quantität die wichtige Funktion der ISM als effektive Businessplattform für den weltweiten Handel mit Süsswaren", bestätigt Wolfgang Kranz, Geschäftsführer der Koelnmesse. "In diesem Jahr kamen die Synergieeffekte der ProSweets Cologne, die in 2006 und 2007 das Gesamtbesuchsergebnis positiv beeinflusst haben, nicht zum tragen, da die Fachmesse für die Zulieferindustrie in der Süsswarenwirtschaft in 2008 turnusgemäss aussetzte. Aber", so Kranz weiter, "2009 wird die Veranstaltung wieder parallel zur ISM stattfinden."

Zu den Top-Besuchern der ISM 2008 zählte auch Bundesminister Horst Seehofer, der die Messe am Dienstag besuchte und sich im Laufe seines Messerundgangs vom Engagement und vom Einfallsreichtum der Süsswarenwirtschaft überzeugte. Die ausländischen Fachbesucher reisten vornehmlich aus den nunmehr 27 EU-Ländern nach Köln. Ebenfalls gut vertreten waren die EFTA-Länder und Osteuropa. Einkäufer aus der NAFTA - vorrangig aus den USA - nutzten die ISM zu Information und Order in der gewohnten Stärke, ebenso wie Gäste aus Asien, Süd- und Mittelamerika sowie dem Nahen Osten.

Die ausstellenden Unternehmen berichten von hervorragenden Kontakten. "Hier treffe ich nicht nur meine wichtigen Kunden, sondern kann auch zahlreiche neue Kunden gewinnen", so ein Anbieter. Die konstruktiven Gespräche bildeten eine gute Basis für das Nachmessegeschäft, so das einstimmige Urteil.

Erstmals eine „Biostrasse“ und eine Design-Sonderschau

Die erstmals realisierte "Bio-Strasse" - eine gebündelte Darstellung von Bio-Süsswaren - spiegelte die wachsende Bedeutung des Trendsegments ebenso wider wie das hervorragend besuchte Podiumsgespräch zur Zukunft von Bio-Süsswaren im Supermarktregal. Ergänzt wurde die Thematik durch eine viel beachtete Sonderschau mit Designentwürfen von Studierenden der Köln International School of Design.

Neben Bioprodukten setzten Premiumprodukte Zeichen. Zum Beispiel werden Schokoladen aus ausgewählten Rohstoffen durch Gewürze, Kräuter oder andere Zutaten, aber auch durch spezielle Lagerung, veredelt, wobei das Segment der dunklen und stark kakaohaltigen Schokoladen weiter wächst. Im Bereich Feine Backwaren profilieren sich zahlreiche Produkte durch eine ausgefeilte Rezeptur und Zutaten höchster Qualität.

"Produkte mit gesundem Plus" punkten mit Inhaltstoffen, die - wie im Fall eines Fruchtgummis - die Zähne stärken oder die Zellen schützen oder bei Müdigkeit helfen - um nur einige Beispiele zu nennen. "Süssigkeiten müssen aber vor allem schmecken", so das Credo der Branche, die sich auch im nächsten Jahr wieder zur ISM in Köln treffen wird.

Die ISM 2008 in Zahlen

An der ISM 2008 beteiligten sich auf einer Bruttofläche von 110.000 Quadratmetern. 1.675 Anbieter aus 70 Ländern, davon 81 Prozent aus dem Ausland. Darunter befanden sich 251 Aussteller und 62 zusätzlich vertretene Unternehmen aus Deutschland sowie 1.283 Aussteller und 79 zusätzlich vertretene Unternehmen aus dem Ausland. Zur ISM 2008 kamen rund 34.000 Fachbesucher aus 143 Ländern, der Auslandsanteil lag bei 63 Prozent. Die 39. Süsswarenmesse in Köln wird vom 1. bis zum 4. Februar 2009 stattfinden. Parallel zur ISM wird die dritte ProSweets Cologne - die internationale Fachmesse für die Zulieferindustrie der Süsswarenwirtschaft - durchgeführt werden.



Erster Trend - Heilpflanzen und Schokolade

Maca ist eine Heilpflanze aus den Anden, die in ganz Südamerika, aber auch in Japan und USA bereits als vitalisierendes und erfrischendes Lebensmittel geschätzt wird. Jetzt hat ein schwäbischer Schokoladenhersteller Maca in eine feine Praliné in Form der berühmten Inka-Pyramiden verwandelt und sie auf der Internationalen Süsswarenmesse als Weltneuheit präsentiert. Dieses Beispiel zeigt exemplarisch, wie die süsse Branche die Herausforderungen und Wünsche der Verbraucher nach gesunden und wohltuenden Lebensmitteln in attraktive und hochfeine Süssigkeiten verwandelt.

Eine weitere Weltpremiere auf der Leitmesse der süssen Branche feierte ein zuckerhaltiges Fruchtgummi, das dank einer kalziumreichen Salzhydratschmelze in ionisierter Form den Zahnschmelz stärkt.

Lifestyle in Form von höchstem Genuss und edlem Design, wohltuende und gesundheitsfördernde Zutaten und Nachhaltigkeit waren weitere Trendthemen. Zudem war die Situation der Landwirte und Erzeuger war noch sie so mit einbezogen in eine Süsswarenmesse wie in diesem Jahr: Ob Kakaofrüchte in allen Schattierungen, grün leuchtende Wälder der Kakaoplantagen, ob Pflanzen wie Quinoa, Amaranth, Topinambur oder eben Maca, aber auch wogende Ährenfelder lachende Kartoffeln erinnerten an den Ursprung von Schokolade, Keks und Chips.

Zweiter Trend - Fair-Trade wurde an den Ständen thematisiert

Die Gespräche über Anbaubedingungen und Rohstoffbedingungen erschöpften sich denn auch nicht in der reinen Frage des Preises, sondern gingen weit darüber hinaus bis hin zu sozialen und ökonomischen Projekten, die kleine, mittlere und grosse Unternehmen inzwischen mit den Bauern und Kooperativen gemeinsam entwickeln. Unterstrichen wird dieses Bemühen auch durch die Breite des Bio-Sortiments, das in diesem Jahr eine besonders grosse Aufmerksamkeit der ISM-Teilnehmer erfahren hat, sowie durch zusätzliche Angebote aus dem fairen Handel wie etwa ein neuer Quinoa-Keks.


Die Rückbesinnung auf Natürlichkeit und reine Rohstoffe zeigte sich quer durch alle Segmente, viele Hersteller haben ihre Rezepturen geändert und verwenden beispielsweise nur noch natürliche Aromen. Aber auch klassische heimische Pflanzen und Blüten erfahren eine neue Wertschätzung. Einer der "stillen Stars der ISM" war beispielsweise Holunder, der seit altersher als wertvolles Hausmittel geschätzt wurde. Holunder fand sich als Füllung in Kaugummis, neben anderen innovativen Kaugummifüllungen wie Honig oder Alpenkräuter, aber auch in hochwertigen dunklen Schokoladen, als Blüte auf Tafeln, die ausserdem essbare Veilchen, Rosenblüten oder Kapuzinerkresse zierten.

Das Fachpublikum zeigte sich von den floralen Kunstwerken begeistert, und so dürften die Blütenschokoladen bald in den Regalen der Schokoladengeschäfte zu finden sein. Mit Varianten wie Himbeer-Balsamico, Tomate-Salz, Olivenstückchen und Olivenöl, Rosmarin, Lavendel, Oregano oder Thymian - edle Schokoladen vereinen sich inzwischen mit Kräutern und Früchten zu erlesenen Harmonien, verstehen sich aber auch mit in Wein eingelegten Weintrauben wie Shiraz, Merlot oder Pinoir prächtig. "Schokolade mit Salbeigeschmack klingt exotisch, schmeckt aber hervorragend", fasste ein Verantwortlicher einer grossen Süsswarenfachhandelskette, seine Eindrücke zusammen.

Dritter Trend - Qualität der Trinkschokolade wird besser

In den kommenden Monaten dürften auch die Trinkschokoladen zu einem Höhenflug ansetzen, geht es nach den Eindrücken der ISM-Besucher. Ähnlich wie bei Kaffee begeistern die neuen Trinkschokoladen ebenso durch ausgewiesene Qualitäten und den "Origin"-Gedanken wie durch conveniente Formen wie wunderbar geformte Trinkschokoladen am Stiel oder in einer elgeganten Geschenkpackung als "ChocoSpresso".

Im Premiumbereich wollen die Anbieter von Edel-Marzipan und exquisitem Nougat den Anstrengungen der Chocolatiers nicht nachstehen und präsentierten neue aussergewöhnliche Fortschritte in Qualitäten und technologischen Weiterentwicklungen. Auch hier verbindet sich das klassische Marzipan mit den neuen Trend-Richtungen wie Chili, Cranberries, Ingwer etc. zu unglaublichen Kompositionen.

Die positiven Eigenschaften der Schokolade werden teilweise verstärkt wie im Fall im von Choc+ -, einer Schokolade, die dank ihrer besonderen probiotischen Kulturen die körpereigenen Abwehrkräfte unterstützt. Im Gebäckbereich wie bei den salzigen Knabberartikeln gehören Begriffe wie Antioxidantien, Omega 3- Säuren und vieles andere zum Wortschatz, wobei hier auch die Themen Vollwert, Vollkorn, Dinkel mehr und mehr bei den Neuheiten und Trends in den Vordergrund rücken. Backwaren sollen aber heute nicht nur schmecken, sondern auch einen Aha-Effekt erzeugen wie etwa das Esspapier, das via Tattoos auf die Zunge Liebesmotive oder andere auffallende Bilder zaubert. Bei den salzigen Snacks, bei Chips und Co. Dürfen sich die Menschen auf die neue Asien-Welle mit einer Fülle von Artikeln wie Reisgebäck, Wasabi-Erbsen etc. freuen. Andererseits lautet auch bei den Neuheiten vielfach die Devise "All is natural".

Vierter Trend - Bei Kinderartikeln sind Mutproben angesagt

Und was gibt es für die Kinder? Die Zuckerwarenhersteller sind in jüngster Zeit ein wenig aus dem Rampenlicht gerückt, haben aber in Köln eine Flut an Neuerungen präsentiert. Mit Fun-Artikeln wie den essbaren Spinnen und Insekten treffen die Anbieter natürlich in Zeiten des Dschungel-Camps ins Schwarze. Ansonsten haben sich viele Aussteller das Motto "Back to the school" auf die Fahnen geschrieben.

So will der alte und ewig jung gebliebene Lolly-Klassiker, der auf der ISM glorios seinen 50. Geburtstag zelebrierte, mit frechen und unerwarteten Spielideen für die Schulbank die Vorherrschaft als Kultprodukt in den Klassenzimmern zurückerobern. Ein Schreibstift mit eingebautem Radio und Lutscher dürfte hier genauso für Aufsehen unter den Sechs- bis 14-Jährigen sorgen wie andere intelligent kombinierte Gimmicks.

Unumstrittener Herrscher der Lizenzfiguren ist in diesem Jahr eindeutig der Schwammkopf: SpongeBob ist in allen erdenklichen Süsswarenverbindungen zu finden. Vom Adventskalender über Bonbons und Gebäck bis hin zu Zuckerwatte - als Figur bzw. mit Stickern und Tattoos sorgt SpongeBob für Furore. Da können in diesem Jahr einzig die "Wilden Kerle" noch mithalten, die zum aktuellen Kinostart ebenfalls in der süssen Branche Einzug gehalten haben.
(Quelle: ISM – Kölnmesse / Februar 2008)

Copyright www.foodaktuell.ch