Food aktuell
Varia
1.5.2005
Kein Cabaret:
Emil und die Wein-Chemie


Cabaretist Emil Steinberger und Renato Amadò, ETH-Professor für Lebensmittelchemie im Podiumsgespräch über Buttergipfel, künstlichen Wein, schwarze Rösti und introvertierte Forscher.


Die ETH feiert ihr 150-Jahre-Jubiläum mit Begegnungen der seltenen Art: Im vollbesetzten Eventzelt beim Zürcher Landesmuseum hat sich am letzten Mittwoch ein ETH-Professor einer öffentlichen Diskussion gestellt: Cabaretist Emil Steinberger (links) sowie Moderator Christian Zeugin (rechts) nahmen Renato Amadò, Professor für Lebensmittelchemie in die Zange.

Es war nicht halb so schlimm: Amadò kannte als Luzerner Fasnächtler keine Berührungsängste, und Emil lobte die ETH-Ausstellung als «optimistisch». Dies fanden offenbar auch die zustimmend klatschenden Zuschauer.

Aber Emil meinte, die ETH sollte besser mit den Medien zusammenarbeiten. Tatsächlich besteht hier Nachholbedarf, obwohl sie in den letzten Jahren aktiver wurde. Auch Amadò fand, «die Forscher sollten mehr Kontakt zur Öffentlichkeit suchen, aber viele sind eben introvertiert. Doch das Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften erhält viele Anfragen» - nicht zuletzt weil alle etwas vom Essen verstehen.

Auch Emil stellte sein Wissen unter Beweis und versuchte Amadò aufs Glatteis zu führen mit dem Hinweis auf Retorten-Wein, der völlig ohne Trauben hergestellt wurde. Er spottete: «Die Firmen betrügen doch und mischen Chemie hinein».
Amadò: «Nein, sie wollen ihre Kunden ja nicht vergiften».


Emil versuchte nochmals, Amadò in eine Falle zu locken und schnupperte am Glas: «Dieser Wein repoppiert, wenn Sie wissen, was ich meine». Amadò wusste es nicht. Emil: «Das war nur ein Gag».

Amadò erklärte, dass die ETH derzeit den unangenehmen Alterungston beim Wein erforscht sowie Möglichkeiten, diesen zu verhindern.

Keine Antwort erhielt der Moderator auf seine Frage, ob die Industrie wirklich chemisch hergestellte Aromen verwendet. Offenbar kauft er nicht selbst im Supermarkt ein, sonst sähe er die obligatorische Zusatzstoff-Deklaration auf den Ettiketten (aber in Bioprodukten kommen keine und in Gourmetprodukten wenige synthetische Aromen vor).

Amadò klärte auf: Nur sehr wenige Leute haben Probleme mit Zusatzstoffen. Bei den fünf grössten Lebensmittel-Risiken kommen sie zuletzt. Zuoberst stehen mikrobielle Risiken.

Forschung am Verdauungs-Simulator

Und der Professor appellierte an die Volksgesundheit: «Man sollte täglich Vollkornbrot essen aber am Sonntag darf es ein Zopf sein. Kleie besitzt viele gesundheitliche Vorteile. Übrigens entwickelte die ETH für ihre Forschung einen Verdauungs-Simulator. Manchmal werden die Forschenden von üblen Gerüchen geplagt, die dort entweichen». Was ein richtiger Darm-Simulator ist, muss auch furzen können.

Der Moderator offerierte Kartoffelchips, die wegen des unerwünschten Acrylamids in die Schlagzeilen gerieten, vor allem braun-schwarz fritierte.

Amadò: «Acrylamid ist eventuell krebserregend. Die ETH erforscht die Rolle der Kartoffelsorten bei dessen Bildung und die Entstehung bei Backwaren». Und er gab einen Praxistipp: «Mit Natron statt Hirschhornsalz kann man den Acrylamidgehalt auf einen Drittel senken».

Emil hakte nach: «Manchmal gibt es schwarz gebratene Rösti im Restaurant».
Amadò: «Dann hat der Koch das Problem nicht begriffen».

Aber den Bäckern teilte Emil ein Lob aus: «Schweizer, die Verwandte in den USA besuchen, bringen ihnen oft einen Koffer voll Brot mit». Doch dann platzierte er einen Tiefschlag: «Buttergipfel sind grausam: sie geben Magenbrennen».

Könnte dies auch an einem empfindlichen Magen liegen?

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