Food aktuell
Varia
23.8.2007
Ambitiöse Kaffeebranche


Kaffee ist der zweitwichtigste Rohstoff im Welthandel, und Schweizer gehören zu den Vieltrinkern. «foodaktuell» liefert einen Überblick über eine professionelle und ambitiöse Schweizer Branche, die beim Rohstoff völlig von Importen abhängig ist.

22 Prozent des Kaffees werden in der Gastronomie konsumiert, wo Cafés ihren Hauptumsatz mit Kaffee machen, aber 78 Prozent des Konsums erfolgt zu Hause mit stetig mehr und besseren Haushalt-Kaffeemaschinen. Der Gesamtkonsum in der Schweiz stagniert auf hohem Niveau und liegt mit rund 1300 Tassen pro Jahr im Mittelfeld zwischen Südeuropa (800) und Skandinavien (1500).

Aber die Qualität steht weltweit auf dem Spitzenniveau, dies nicht nur bei Röst- und Instantkaffee sondern auch bei Kaffeevollautomaten, die hierzulande erfunden wurden. Auch Export kommt vor: Nestlé exportiert in grossem Stil Nespresso-Portionen und plant für 2008 ein neues Produktions- und Vertriebszentrum in Avenches VD und nennt ein Wachstum von dreissig Prozent.

Experten schätzen den Importanteil an der eleganteren Kaffeeart Arabica auf 85 Prozent, und der Rest entfällt auf die rustikalere Robusta-Art. Dieser hohe Arabica-Anteil ist ein Indiz für qualitativ hochstehende Kaffeemischungen in der Schweiz. Der grösste Teil des Kaffees wird als Rohkaffee importiert aber acht Prozent als Röstkaffee. So lässt z.B. Starbucks den Kaffee für Europa zentral in Holland rösten, und auch Amici Caffè sowie Segafredo importieren Röstkaffe, dies teilweise als Mahlkaffeeportionen. Der Anteil von coffeinfreiem Kaffee liegt bei rund einem Prozent, und nur noch Haco entcoffeiniert heute in der Schweiz Rohkaffee.


Steuerung des Röstgrades durch Farbvergleich einer Probe aus dem laufenden Röster mit einer Sollwert-Probe


Die grössten Kaffeeröstereien der Schweiz sind Nespresso, Migros in Birsfelden und die «Drie Mollen»-Gruppe (Rosca, Giger, Merkur, Coop) mit je rund einem Viertel des Rohkaffeeverbrauchs. Sie werden gefolgt von rund zwölf KMU mit zusammen ebenfalls einem Viertel. Sowohl bei den mittleren (z.B. Blaser Café, Illy Café, Regina Kaffee) wie auch bei den kleineren (z.B. Rast Kaffee, Oetterli, Caffè Ferrari) gibt es Premium- und sogar Luxuskaffeeröster.

Insgesamt gibt es in der Schweiz 65 Röstereien, und viele beliefern fast ausschliesslich die Gastronomie. Bei den Markttrends sind die Zunahme von Portionensystemen wie Easy served espresso ESE mit Filter-Pads bzw Pods oder Kunststoff- bzw Aluminium-Kapseln zu nennen sowie herkunftsreine Lagenkaffees, Milchkaffeespezialitäten, Gourmetkaffees aber auch Economyprodukte.

Blaser Café führte vor zehn Jahren die herkunftsreinen Specialities im Markt ein und gilt als Pionier (Coffee Explorer). Solche Lagenkaffees tauchen seit Kurzem sogar in Supermärkten auf wie in der Finefood-Linie bei Coop oder der Sélection-Linie in der Migros, während durchschnittliche Angebote aus Mischungen verschiedener Provenienzen bestehen.



Der Halbautomat (Bild) bietet heute kaum noch qualitative Vorteile, da Vollautomaten aufholten, aber das Handling des Barista verspricht Erlebniswert.


Auf der Stufe Verarbeitung besteht ein «Rösterverband». Der Verband Schweizer Hersteller von Kaffeeprodukten dagegen, welcher Mitglied beim Dachverband der Schweizer Nahrungsmittelindustrien FIAL war, löste sich Ende 2005 auf. Im Rösterveband sind kleine und mittlere Röstereien organisiert, d.h. ohne Migros und Coop, welche eigene Rösterien betreiben und ohne «Drie Mollen» und Nespresso. Kein Verband aber eine Quelle von Informationen ist die PR-Stelle Procafé.

Kaffeebranchen-Highlights

Höhepunkt der Kaffeebranche war letztes Jahr die „World of Coffee 2006“ in Bern unter dem Patronat der Speciality Coffee Association of Europe SCAE, ein internationaler Event mit Symposium, Ausstellung, Workshops und Wettkämpfen. «Der beste Kaffee-Event der Geschichte», lautete der Tenor von Brancheninsidern. Blaser Café, Initiant des Alpine Coffee Training Centers der SCAE, war verantwortlich für das Programm sowie die Workshops der World of Coffee 2006.


Die Schweizer Kaffeebranche ist sehr aktiv und - ähnlich wie die Weinbranche - marketingorientiert, da Kaffee ein Genussprodukt ist. Es gibt mehrere Branchenverbände: auf der Stufe Gastronomie bestehen der Schweizerische Cafetierverband SCV und seit wenigen Jahren das Swiss Chapter der Speciality Coffee Association of Europe SCAE. Dieses fördert die Kaffeequalität und –kultur in der Gastronomie, unter anderem durch Aufwertung der Baristakunst – mit Erfolg. Kürzlich erreichte die Thuner Barista Anna Käppeli an den Barista Weltmeisterschaften in Tokyo den füften Platz – mit Abstand das beste Schweizer Resultat seit jeher.

Auch für die Weiterbildung engagiert sich die Kaffeebranche vermehrt: Kurse bieten der SCV an sowie der Berner Vollautomatenhersteller Schaerer an (Coffee Competence Center), Rast Kaffee in Ebikon und DF Consulting in Basel.

Importe 2006 in Tonnen
Rohkaffee, nicht entkoffeiniert: 44'289
Rohkaffee, entkoffeiniert: 347
Röstkaffee: 10'514
Röstkaffee , entkoffeiniert: 327
Kaffee-Extrakt, unvermischt: 2'022
Kaffee-Extrakt, vermischt (20%) : 11
Kaffee-Extrakt, vermischt : 268
(Quelle. Rösterverband)

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