Food aktuell
Varia
25.9.2007
Jurierung von Regionalprodukten

Bereits zum zweiten Mal organisiert die Fondation Rurale Jurassienne am 29. und 30.September 2007 den Schweizer Wettbewerb der Regionalprodukte auf dem Gelände des landwirtschaftlichen Ausbildungszentrums in Delémon-Coutremelon. Mehr als 1100 Produkte wurden für den Wettbewerb angemeldet. Reportage über die Jury-Degustationen von David Meili.


Am Beispiel der Fleischprodukte legte Olivier Girardin, Direktor der Fondation Rurale Interjurassienne den Ablauf der Jurierung dar: Die angelieferten Produkte werden von Kochlehrlingen in der Schulküche vorbereitet und für die Blindprüfung codiert. Die Namen der Juroren werden ebenfalls vertraulich behandelt. In Gruppen von drei bis vier Personen werden Aussehen, Schnittbild, Verarbeitung und Geschmack beurteilt. Die Juryteams setzen sich aus Fachleuten und Konsumenten zusammen.

Um ein professionelles Niveau für den Wettbewerb zu erreichen, werden in einer zweiten Stufe die Resultate der Gruppen von zwei Fachleuten beurteilt. Peter Schlatter, Direktor des Ausbildungszentrums für die Schweizer Fleischwirtschaft ABZ und Jean-Roger Barbey, Metzgermeister aus Yverdon-les-Bains überprüfen die Beurteilungen der Juroren. So hat eine zwar handwerklich perfekt hergestellte Wurst mit Absinth keine Chance, weil sie ganz einfach „pas bon“ ist. Für Barbey hätte man über das missglückte Experiment seines unbekannten Berufskollegen diskutieren können, doch Absinth mit Kümmel war ihm zu unharmonisch.

Gnade findet bei den beiden Experten ein Zampone aus dem Tessin, der im ersten Durchgang unangemessen tief bewertet wurde, weil die Juroren der Romandie erstmals mit einem gefüllten Schweinefuss konfrontiert waren. Umgekehrt ist beim „Saucisson au Choux“ (Bild) die Schnittfestigkeit kein Kriterium, weil er in Waadtländer Bauernstuben mit dem Löffel gegessen werden darf.


Für Diskussion sorgte eine handwerklich perfekt hergestellte und geschmacklich sehr gute Currywurst aus hundert Prozent Schweizer Fleisch, die vom Produzenten unter dem Label Suisse Garantie verkauft wird. Der Jury stellte sich die grundsätzliche Frage, wie weit der Begriff Region bei Regionalprodukten gefasst werden soll. Nachdem aus ähnlichen Gründen mehr als hundert Produkte nicht zum Wettbewerb zugelassen wurden, gelangte auch die Currywurst nicht in die Schlusswertung.

Während beim Bienenhonig auch dank den beigezogenen Spezialisten eine objektive Bewertung möglich ist, scheitert die Degustation bei anderen Produkten oft bereits an der nötigen Zubereitung. Sichtlich Mühe hatte das Team der Bäuerinnenschule beim Rheintaler Ribelmais. Grundsätzlich stützt man sich auf die Kochanweisungen der Produzenten und als Referenz auf die Kochrezepte der Schweizer Landfrauen. Da Ribelmais nur gekocht bewertet werden kann, dürfte auch hier das Vorgehen für eine weitere Auflage des Wettbewerbs überdacht werden.

Die Jury ist sorgfältig und schickte die für einen Hofladen produzierten Dinkelspätzli wegen Verdacht auf Zubereitungsfehler in die Küche zurück, da sie aussen pampig und innen hart waren. Aber auch im zweiten Durchgang lagen sie weit hinter vergleichbaren Produkten aus dem Sortiment der Migros Regionalprodukte (ADR) zurück und dürften an der Rangverkündigung kaum erwähnt werden.



Am letzten Regionalprodukte-Wettbewerb 2005 gewann Michel Beroud, Inhaber der Käserei in Rougemeont VD, den Prix d’Excellence für seinen charaktervollen Rohmilch-Weichkäse Tomme Fleurette.


Im Laufe des Nachmittags zeichnete sich ab, dass vermutlich eine Wurst aus dem Waadtland oder dem Jura die Goldmedaille gewinnen dürfte. Die wichtigsten Gründe für das hohe Niveau der Fleischspezialitäten aus dieser Region sind Tradition, hervorragende handwerkliche Fähigkeiten, professionelle Züchter und anspruchsvolle Konsumenten. Nach den Erfahrungen im ersten Wettbewerb wurden die Produkte von gewerblichen Produzenten mit einer andern Skala bewertet als jene aus Nebenerwerb und Hobby.

Höhepunkt des Wettbewerbs ist der Markt der Schweizer Regionalprodukte auf dem Areal des landwirtschaftlichen Bildungszentrums in Delémont-Courtemelon vom Wochenende des 29. und 30.September. Die Rangverkündigung findet am 30. September 2007 um 16 Uhr statt. Und der Jurassier Spitzenkoch Georges Wenger präsentiert seine „Ateliers du Goût“. Gemeinsam mit dem Meister kann man auf dem Markt einkaufen und lernt, aus diesen Zutaten einem „Menu du terroir“ zuzubereiten. (Text: Dr. David Meili. Bilder: Concours Terroir und foodaktuell)

Informationen: www.concours-terroir.ch

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