«Kassensturz» zeigte, unter welch erbärmlichen Bedingungen Kaninchen teilweise gemästet werden. Die Sendung hatte Folgen: Manor stoppte den Verkauf und die SKS stellt Forderungen.
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Die Schweiz hat bei der Kaninchenmast strenge Gesetze. Doch das meiste Kaninchen-Fleisch importieren die Detailhändler aus der EU. Im Gegensatz zur Schweiz ist dort enge Käfighaltung der Normalfall. Beispiel aus dem Aargau: Im umgebauten Kuhstall von Bauer Michael Notter werden über hundert Kaninchen gemästet. Die Haltung ist aufwändig, aber sie lohnt sich. In der 3,2 Quadratmeter grossen Buchte leben zehn Tiere. Platz und Einstreu entsprechen dem Label «Besonders tierfreundliche Stallhaltung» (BTS). Das Schweizer Tierschutzgesetz ist weniger streng: Erlaubt wären in einer solchen Buchte maximal 21 Kaninchen.
3500 Tonnen Kaninchenfleisch landen jährlich auf Schweizer Tellern. Schweizer Kaninchenfleisch ist beliebt, deckt aber nur einen Teil der Nachfrage. Der Grossteil des verkauften Kaninchenfleisches, nämlich 80 Prozent, stammt aus dem Ausland.
Der italienische Mastkaninchen-Betrieb im Piemont in Navara produziert auch für die Schweiz. Verdeckte Aufnahmen zeigen die bittere Realität der Kaninchen. Aus der Aufzucht gelangen die Tiere in enge Gitterkäfige, die sie meist zu zweit teilen müssen. Dort bleiben die Mastkaninchen, bis sie mit rund zwölf Wochen geschlachtet werden. Solche Zustände sind in der EU erlaubt – für Kaninchen gibt es keine Tierschutzbestimmungen.
Die Aufnahmen stammen von Nadia Brodmann, Mitglied der Nutztierschutz-Organisation Kagfreiland. Als Zoologin kennt sie die Bedürfnisse der Kaninchen und ist schockiert: «Wenn man das live erlebt, wie die Tiere auf drei Etagen übereinander apathisch in ihren Käfigen sitzen und nichts anderes zu tun haben, als am Gitter zu nagen, ist das wirklich ein sehr trauriges Bild.» Ein natürliches Sozialverhalten unter den Kaninchen sei unmöglich, sagt Brodmann weiter. Sie schätzt, dass jedes Jahr eine Million Kilo des «Quälfleisches» in die Schweiz importiert werde. «Wir fordern deshalb den Detailhandel und die Gastrobetriebe auf, ganz auf solches Fleisch zu verzichten.»
«Kassensturz» besucht in Dabas in der Nähe von Budapest die Firma Delimpex, den grössten Schweizer Kaninchenproduzenten. Zusammen mit der Migros stellte Delimpex vor neun Jahren auf eine bessere Masthaltung um. Auch Coop bezieht von diesem Kaninchenproduzenten. Sieben bis neun Tiere leben in einer Boxe, die oben offen ist.
Die Kaninchen von Delimpex kosten halb soviel wie Schweizer Kaninchen. Den Kaninchen sei wohl, sagt Produzent Meinrad Odermatt. Der Delimpex-Geschäftsführer macht einen Versuch mit einer Röhre und stellt fest, dass die Kaninchen mit der Röhre spielen. «Die Kaninchen haben Freude», sieht sich Odermatt bestätigt. Positiv für die Kaninchen: Gruppenhaltung bis zur Schlachtreife, Plastikrost statt Gitterboden und die Kaninchen können sich strecken, recken, nagen und hoppeln. Doch auch diese Haltung entspricht nicht den Schweizer Tierschutzbestimmungen: Die Kaninchen haben keinen abgedunkelten Bereich zum Rückzug und viel weniger Platz.
Zusammenarbeit mit Lieferanten
Grossverteiler könnten auch beim Import auf die Einhaltung der Schweizer Tierschutzbestimmungen pochen. Doch Coop will weiterhin Kaninchenfleisch von Delimpex importieren, in Zukunft aber noch mehr Schweizer Fleisch verkaufen. Auch die Migros will an ihrem Produzenten in Ungarn festhalten, sagt Monika Weibel. Sie fordere aber eine weitere Verbesserung der Tierhaltung.
«Mit dem Lieferanten in Ungarn arbeiten wir schon seit Jahren zusammen», so Weibel. «Unsere Strategie ist, mit ihm laufend Verbesserungen zu realisieren. Hier bieten wir auch Hand mit unseren Fachleuten, die den Lieferanten beraten, bei der Umsetzung dabei sind und ihn begleiten.» Diese Haltung von Delimpex ist bereits ein Fortschritt – erbärmlich hingegen diese in der EU weit verbreitete Käfighaltung. Text: Auszug aus dem Kassensturzbericht im Internet: http://www.sf.tv/sf1/kassensturz/index.php. Kassensturzsendung 11.03.2008. Bild: foodaktuell.ch (keine der kritisierten Haltung)
Manor stoppt Verkauf von Kaninchenfleisch aus Italien
Manor stoppt mit sofortiger Wirkung den Verkauf von
Kaninchenfleisch aus Italien und hat diese bereits aus ihren
Supermärkten zurückgezogen. Das Unternehmen reagiert damit auf die
Missstände bei der Kaninchenhaltung in Italien, auf welche die
Sendung "Kassensturz" des Schweizer Fernsehens vom 11. März 2008
hinwies.
Manor ist bestürzt über die gezeigten Bilder, die nicht zur Manor
Philosophie in Bezug auf Tierhaltung passen. Bei den vor Ort
durchgeführten Kontrollen des im Film gezeigten Produzenten wurden
den verantwortlichen Spezialisten andere Stallungen gezeigt. Als
Konsequenz hat Manor per sofort die Zusammenarbeit mit dem
italienischen Produzenten eingestellt und verkauft nun
ausschliesslich Kaninchenfleisch aus Schweizer Haltung vom
bestehenden Hauptlieferanten Kyburz. Dieser wurde im Kassensturz als
vorbildliches Beispiel angeführt.
Manor setzt auf Qualitätsprodukte und baut kontinuierlich die
Zusammenarbeit mit Schweizer Lokalproduzenten aus. Der sofortige
Verkaufsstopp der italienischen Kaninchen entspricht Manors
Philosophie, auf Missstände direkt und unmissverständlich zu
reagieren. (Medienmitteilung Manor 12. März 2008)
Herkunftsdeklaration ist und bleibt wichtig!
Eine Million Kilogramm Kaninchenfleisch aus Italien, Ungarn und Frankreich
landet jährlich auf unseren Tellern, das aus tierquälerischer Käfighaltung
stammt, dies meldet die Nutztierschutz-Organisation KAGfreiland heute. Für
die Stiftung für Konsumentenschutz SKS zeigt dieses Beispiel einmal mehr deutlich: Die Herkunftsdeklaration von Lebensmitteln und insbesondere Fleisch muss trotz Cassis-de-Djion-Prinzip unbedingt beibehalten werden!
Mit der Einführung des Cassis-de-Djion-Prinzips sollen Handelshemmnisse fallen,
unter anderem sollen die Deklarationsvorschriften vereinfacht werden. Die SKS hat in
den letzten Monaten insbesondere erfolgreich dafür gekämpft, dass die Herkunftsdeklaration
(vorläufig) beibehalten wird.
Wie wichtig die Herkunftsangabe für die Konsumentinnen und Konsumenten ist,
zeigt das jüngste Beispiel eines Fleischskandals: KAGfreiland informiert heute, dass
eine Million Kilogramm Kaninchenfleisch, das von Grossverteilern, aber auch von der
Gastronomie den Konsumentinnen und Konsumenten aufgetischt wird, aus tierquälerischer
Haltung kommt. In Käfigen eingesperrt, haben die Kaninchen in den
Zuchtbetrieben in Italien oder Ungarn keinerlei Bewegungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten.
Bei Eiern etwa muss deklariert werden, wenn sie aus Käfighaltungs-Importen
stammen. Bei Kaninchenfleisch müssen die Konsumentinnen und Konsumenten
zumindest erfahren können, woher das Fleisch stammt.
Für die SKS deshalb klar: Die Herkunftsdeklaration muss unbedingt beibehalten
werden – mit dem Cassis-de-Dijon-Prinzip und mit einem Agrar-Freihandelsabkommen
mit der EU. Denn nur so haben die Konsumentinnen und Konsumenten
die Möglichkeit zu entscheiden, ob sie tatsächlich zu Fleisch greifen wollen, dass
unter miserablen Tierhaltungs-Bedingungen produziert wurde. (Medienmiteilung SKS 12. März 2008)
(gb)
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